»Aber sie braucht Anerkennung – Verständnis – ich sage nicht: Publikum! Das meine ich nicht. Die Anerkennung der Gesellschaft nicht. Ein Wort, ein Blick der Bewunderung von einem geliebten Menschen ... ach, dafür gibt eine Frau alle Triumphe der Welt hin. – Und das hab’ ich nicht – hatt’ ich nie ...«
Das klang aus ihrem Munde nicht geschmacklos – wurde alles mit einer Art von Kindlichkeit oder Natürlichkeit vorgebracht.
Er wurde fast verlegen. Hieraufhin konnte er doch unmöglich, um sie zu trösten, ihre Ohren mit Schmeicheleien füllen.
»Ihr Gatte wird nicht blind gewesen sein,« sprach er.
»Es war ihm angenehm, daß man mich nicht häßlich fand. Das war alles. Sie wissen es doch – warum soll ich ein Hehl daraus machen: man hatte mich in die Ehe mit diesem alten Mann gezwungen. Meine Eltern fühlten sich nicht disponiert, eine erwachsene Tochter zu bewachen. Papa mit seiner rasenden Arbeit – ähnlich wie der Geheimrat, aber in Textilindustrie – und Mama mit ihren zahllosen Vorstandspflichten – Mama ist eine Vereinsdame – Mama hatte auch eine Schwäche für Adel – ein Baron sollte es sein –«
»Ich bitte Sie, Baronin, Sie erwarten Gäste, Sie wollen froh sein – lassen Sie die schweren Lebensumstände heute unbesprochen – es erregt Sie.«
»Sehen Sie, sehen Sie,« sagte sie mit klagendem Ton. »Niemand hat Interesse für mich – nicht einmal meine Freunde – ich dachte, Sie wären mein Freund geworden. Wenn ich einmal von mir sprechen will, ermahnt man mich gleich, zu schweigen.«
Sie hat ja Recht, dachte er. Es war undankbar und ungerecht, sie niemals zur rechten Aussprache kommen zu lassen.
Merkwürdig, wie viel diese volle, weiche, schöne Frau von einem unverantwortlichen Kind hatte – zum Schutz, zum Bevormunden herausforderte.
»Sie sollen mir ein andermal so viel von Ihrem Leben erzählen, als Sie mir nur immer anvertrauen mögen – ich erbitte es als besondere Gunst,« sagte er sehr herzlich.