Durch seine Gedanken huschte die Erinnerung an den Klatsch über ihre Mädchenjahre – wer wußte etwas Sicheres? Sicher war dagegen, daß er selbst viele Züge der Gutherzigkeit, der freundlichsten Gefälligkeit an ihr hatte beobachten können ... Und was pries die Gerwald immer? Ihre Dame sei gar nicht imstande, ihr eine Demütigung zuzufügen. Welche Seltenheit – eine Frau, die eine gebildete Untergebene immer zu schonen versteht – –

Man kann so rasch denken. – Das alles war ihm gegenwärtig, während er sprach, und färbte seinen Ton noch viel herzlicher, als er wußte.

Und sie hörte noch mehr hinein ...

»Ach ja – ja,« flüsterte sie, »ja – ein anderes Mal – aber bald – nicht wahr? Bald?«

Sie griff nach seiner Hand, und das zwang ihn, die ihre zu küssen.

Eine angenehme, träumerische Befangenheit machte ihn still.

Wie diese Frau hineinpaßte in die prangende Hochsommerfülle und Glut – als verkörpere sich die heiße Stunde in ihren weißen, vollen Gliedern.

Er fühlte immer stärker eine Versuchung in sich aufsteigen – sie drängte ihn zu diesem roten Mund. Der war ein wenig verzerrt vor Begehrlichkeit. Und ihre schwimmenden Augen hatten weichen Glanz – schlossen sich halb – zwischen den Lidern hervor brach ein Strahl von Hingegebenheit ... von glühendem Verlangen ... daß sein Herz zu klopfen begann ...

Mit einem Male begriff er: sie wollte ihn! Er fühlte, wenn er jetzt der Versuchung erlag, entschied es über sein Leben. Ein Kuß auf diese lechzenden Lippen, und er war gebunden ...

Er riß sich zusammen – mannhaft und überlegen. – Nicht in Abwehr. Aber in Besonnenheit.