»Das ist mir einerlei!« entgegnete ich unerschüttert. »Mir gefällt der Spruch und ich habe den Ururgroßvater gefunden.«
Gretchen stand unter der Türe, die Hacke über der Schulter.
»Ich habe einen feinen Platz, kommt schnell!«
Eiligst wurde der Schädel in Annis Schachtel gesteckt. Der Deckel wollte zwar nicht zugehen, aber das schadete nichts. Wir legten einen Fetzen schwarzes Tuch darüber und nun ordnete sich der Zug. Voraus ging Gretchen, der Totengräber, dann Anni, der Pfarrer; Elschen, die den Schädel trug, war der Leichenwagen, ich stellte das Trauergeleite dar.
Wir gingen mit ernsten Köpfen und bedächtigem Schritt die Treppe hinunter. Unter der Türe begegnete uns die kleine Mutter des Hauses. Sie war eine zierliche, bewegliche Frau mit lebhaften Augen, die sich stets zu freuen schienen, obwohl sie oft genug Grund gehabt hätten, ärgerlich und müde drein zu sehen. Außer meinen drei Freundinnen waren noch zwei größere und zwei ganz kleine Brüder zu versorgen. Das zappelte und schrie, lachte und kreischte den ganzen Tag um die Mutter herum, zerriß Kleider und Strümpfe, beschmutzte Fußböden und Fensterscheiben, wollte gewaschen und gefüttert sein. In dem allem stand die kleine Mutter, trug den Kopf mit dem tiefschwarzen Haar froh und aufrecht und hatte lachende, warme Augen.
Wir waren das so gewohnt und es erschien uns nichts Absonderliches. Erst viele Jahre später verstanden wir, was für eine tapfere Seele in der kleinen Mutter gewohnt hatte.
»Mama, wir müssen ganz still sein, wir spielen Begraben!« krähte Elschen im Vorübergehen, und die Mutter stand denn auch andächtig und still.