Das Schließen des Deckels war viel leichter zu bewerkstelligen als das Öffnen. Mit einem dumpfen Knall schloß sich die Truhe, und fortan war sie vor unserer Neugier sicher.


Ein paar Tage lang besuchten wir regelmäßig Ururgroßvaters Grab und schmückten es mit Blumen. Auch mußte die Inschrift zweimal erneuert werden. Das eine Mal hatte sie der Regen zerstört, das andere Mal war sie den Buben in die Hände gefallen.

Diese schrecklichen Buben! Wie viel schöner wäre die Welt gewesen ohne sie! Wenn man mit den Puppen spazieren ging, äfften sie die Unterhaltung nach oder versuchten einen Überfall auf die Kinder. Wenn man im Bodenkammerzimmer eine Einladung an sie ergehen ließ, aßen und tranken sie all das mühsam Gekochte im Augenblick weg, und statt des Dankes brummten sie über »das bißchen Zeug«.

Nur bei den Ball- und Springspielen, hauptsächlich bei dem unvergleichlichen »Pflumeboppi, 's Hüsli brennt!« gingen wir Mädel und Buben gemeinsame Wege. Ja, und dann noch bei einem ganz besonderen Anlaß.

Unsere Vaterstadt feierte die 400jährige Wiederkehr des Tages, an dem sich die beiden, durch den Strom getrennten Stadthälften zusammengeschlossen hatten, mit der Aufführung eines historischen, eigens für die Gelegenheit verfaßten Festspiels.

Weit draußen vor der Stadt war die Bühne errichtet worden. Am zweiten Tag — die Stadt schwelgte eine halbe Woche lang in ihren Erinnerungen — waren bei der Vorstellung sämtliche Schulkinder zugegen.