Das war ein Ereignis, vor dem alles andere, das sonst unser Leben ausfüllte, zurücktreten mußte. Während der Vorstellung saßen wir getrennt, aber auf dem Nachhauseweg fanden wir uns zusammen und konnten das Geschaute besprechen.
Anni schwärmte besonders für den König Rudolf. Wie er sich hielt, wie er sich neigte! Sie streckte ihren schwarzen Wuschelkopf und die kurze Stumpfnase höher in die Luft, als erwerbe sie sich dadurch etwas von der königlichen Würde.
Gretchen war entzückt von all den holdseligen Frauengestalten, auch von den Kindern, die so niedliche, lange Kleider trugen. »Ich wollte, wir hätten auch welche!« meinte sie seufzend. »Unsere kurzen Röcke und Socken sehen gar nicht schön aus.«
Damit war ich jedoch nicht einverstanden.
»Denk dir doch, wie unangenehm die dummen, langen Kleider beim Springen wären! Der ‘Pflumeboppi’ z. B. fiele alle Augenblicke auf die Nase.«
»Ja, das ist wahr!« stimmte mir Anni zu. »Wer hat denn dir am besten gefallen, Mixi? — Seht, nun wird sie schon wieder ganz rot!«
»Gar nicht!« wehrte ich ab, obwohl ich die Glut bis unter die Haarwurzeln steigen fühlte.
»Ihr werdet natürlich lachen, aber das ist mir einerlei. Mir hat der Priester am besten gefallen.«
»Der alte, heidnische Kerl!« Anni war entrüstet. Das gutmütige Gretchen, wohl um mir wieder zu meiner natürlichen Gesichtsfarbe zu verhelfen, meinte tröstlich: »Sie hatten ihn, glaube ich, alle sehr gern.«