Auch eine französische Fregatte kömmt jedes Frühjahr nach Island und kreuzt da in den verschiedenen Häfen bis halben August. Sie überwacht ihre Fischer, die durch den reichlichen Gewinn des Fischfanges angezogen diese Meere im Sommer in großer Anzahl besuchen.

Um von Island zurückzukehren, findet man während des Sommers bis Ende September Gelegenheiten auf den Handelsschiffen, die mit den Rückfrachten nach Dänemark, England und Spanien gehen.

Von Kopenhagen nach Island.

Sonntag den 4. Mai trat endlich günstiger Wind ein; Herr Knudson ließ mich benachrichtigen, gegen Mittag bereit zu sein, um mich auf der schönen Brigg »Johannes« einzuschiffen.

Ich ging daher sogleich an Bord. – Die Anker wurden gelichtet, und die Segel entfalteten sich gleich herrlichen Flügeln, die uns mit sanften Schwingungen aus Kopenhagens Hafen trugen. – Kein schwerer Abschied von Kindern, Verwandten oder lang bewährten Freunden trübte diese Stunde, – ich verließ die Stadt mit leichtem, fröhlichem Gemüthe, und lebte nur der frohen Hoffnung, mein lange geträumtes, lange ersehntes Ziel nun bald zu erreichen.

Der heiterste Himmel lächelte uns zu, der günstigste Wind schwellte unsere Segel. Ich saß auf dem Verdecke und schwelgte in dem Anblicke der nie geschauten Bilder. – Hinter mir lag die herrlich ausgebreitete Stadt, vor mir der Sund, ein prachtvolles Wasserbecken, das ich einem großen schönen Schweizer-See vergleichen möchte, und links und rechts die Küsten von Dänemark und Schweden, die sich so zu einander neigen, daß sie dem kühnen Schiffer die Weiterfahrt zu verweigern scheinen.

Bald fuhren wir an dem schwedischen Städtchen Carlskrona vorüber, und bald an der öden Insel Hreen, auf welcher Tyho de Brahe den größten Theil seines Lebens zubrachte, und den Lauf der Gestirne beobachtete und verfolgte. – Und nun kam eine etwas gefährliche Stelle, der Ausgang des Sundes in das Kattegat. – Die eingeengte See und die starke Strömung erforderten des Schiffers ganze Behutsamkeit.

Die beiden Küsten treten hier bis auf eine viertel Meile Entfernung zusammen. Auf schwedischer Seite liegt das hübsche Städtchen Helsingborg, auf dänischer Helsingör, und an der Spitze einer hervortretenden Erdzunge die Festung Kronburg, die den durchziehenden Schiffen den Zoll abfordert, und für den Weigerungsfall eine große Zahl drohender Feuerschlünde weis't. Wir hatten schon bei Zeiten in Kopenhagen unsere Abgabe entrichtet, waren genau signalisirt und segelten furchtlos vorüber.

Diesen Durchgang überwunden, gelangten wir in das Kattegat, das schon mehr ein Bild der großen See gab; – die Ufer wichen immer mehr zurück, und die meisten Schiffe und Barken, die uns im Sunde von allen Seiten umgaukelt hatten, sagten uns »Lebewohl!« Die einen zogen gegen Westen, die andern gegen Osten, nur wir – allein auf der weiten verlassenen Bahn – segelten nach dem kalten, starren Norden. – Die Dämmerung begann erst nach neun Uhr Abends einzubrechen, und bald flimmerten die Sterne gar herrlich am Himmel, und an den Küsten blitzten die Feuer der Leuchtthürme auf, dem nächtlichen Schiffer die gefährlich hervorragenden Klippen bezeichnend.

Nun sagte ich Gott meinen innigen Dank für all seine bisherige Güte, bat ihn um seinen ferneren Schutz, stieg hinab in die Kajüte, wo mich eine bequeme Koje – an der Schiffswand festgemachte Schlafstätte – aufnahm, und bald sank ich in tiefen erquickenden Schlaf.