Bevor ich nun Island betrete, sei es mir erlaubt, einige Bemerkungen über diese Insel vorauszuschicken. Ich entnehme sie der Beschreibung Islands von Makenzie, einem Buche, dessen gediegener Werth überall anerkannt ist.
»Man schreibt die Entdeckung Islands dem Unternehmungsgeiste einiger norwegischer und schwedischer Seeräuber um das Jahr 860 n. Chr. G. zu. Sie wurden dahin verschlagen, als sie nach den Faröer-Inseln segelten. Aber erst im Jahre 874 wurde sie von freiwilligen Auswanderern, die sich unter der Regierung Harald des Schönhaarigen unglücklich fühlten, unter der Anführung Ingolf's bevölkert. Diese Ankömmlinge sollen nirgends Spuren von Wohnungen gefunden haben, und so waren also sie die ersten, welche die Insel in Beschlag nahmen.«
»Bei ihrer Ankunft soll die Insel noch so mit Dickicht bedeckt gewesen sein, daß an einigen Orten erst Durchwege geöffnet werden mußten. – Die Norweger brachten ihre Sprache, Religion, Sitten und historischen Denkmäler mit herüber, nebst einer Art von Lehns-Verfassung, welche aber ungefähr um das Jahr 928 etwas aristokratisch wurde, obwohl sie republikanisch hieß. – Die Insel wurde da in vier Provinzen getheilt, und über jede ein erblicher Landvogt oder Richter gesetzt.«
»Die General-Versammlung von Island (All-Sing genannt) wurde jährlich an den Küsten des See's Thingvalla gehalten. Sie hatten ein treffliches Gesetzbuch, das für alle Vorfälle in der Gesellschaft gesorgt hatte. – Diese Verfassung währte über 300 Jahre, und man möchte diese Periode »Islands goldenes Zeitalter« nennen. Erziehung, Literatur und selbst verfeinerte Poesie waren unter den Einwohnern in Blüthe. – Sie nahmen Theil an dem Handel und an den Abenteuern zur See, welche die Norweger unternahmen, um neue Entdeckungen zu machen.«
Die Sages oder Geschichten des Landes enthalten manche Erzählung persönlicher Tapferkeit. Ihre Barden und Geschichtschreiber besuchten andere Länder, wurden die Günstlinge der Monarchen, und kehrten bedeckt mit Ehre und beladen mit Geschenken in ihre Insel zurück. – Die Edda von Sämund ist eine der geschätztesten Dichtungen Island's älterer Zeit; der zweite Theil der Edda, Skalda genannt, stammt aus neuerer Zeit, und wird von Vielen dem berühmten Snorri Sturluson zugeschrieben. – – Isleif, der erste Bischof von Skalholt, war der früheste isländische Geschichtschreiber, dann folgte der berühmte Snorri Sturluson, welcher 1178 geboren der reichste und mächtigste Mann in Island wurde.
»Zu den Generalversammlungen Islands begleitete ihn häufig ein glänzendes Gefolge von 800 bewaffneten Männern. – Er war ein großer Geschichtschreiber und Dichter, besaß eine genaue Kenntniß der griechischen und lateinischen Sprache, und war ein bewunderungswürdiger Redner. Außer der Edda schrieb er auch noch die Haimskringla.«
»Die erste Schule wurde zu Skalholt um die Mitte des 11. Jahrhunderts unter Isleif, dem ersten Bischof zu Island, gestiftet, dann folgten noch vier andere Schulen und einige Klöster. Poesie und Musik scheint zu einem Zweige der Erziehung gehört zu haben.«
»Es scheint, daß das Clima einst in Island minder rauh war als jetzt; es scheint, daß ehemals Korn wuchs, daß Bäume und Sträucher höher und dicker wurden, als es jetzt der Fall ist. – Die Bevölkerung Islands soll damals beträchtlich stärker gewesen sein wie jetzt, doch gab es auch damals weder Orte noch Dörfer; die Einwohner lebten zerstreut im Lande herum. Die jährliche Volksversammlung wurde zu Thingvalla unter freiem Himmel gehalten.«
»Die Hauptbeschäftigung der Einwohner war Fischfang. Ihre Kleidung bestand aus der verarbeiteten Wolle ihrer Schafe; – eine fernere Beschäftigung gewährte ihnen ihr Handel mit dem Auslande.«
»Im Jahre 981 wurde die Lehre des Christenthums zuerst durch Friedrich, einen Bischof zu Sachsen, eingeführt. Es wurden nun viele Kirchen errichtet, und Zehnten zum Unterhalte der Geistlichkeit eingeführt. – Isleif, der erste Bischof zu Skalholt, wurde im Jahre 1057 ordinirt. Nach Einführung des Christenthums erfreuten sich die Isländer beinahe zwei Jahrhunderte lang einer einfachen aber ungestörten Religionsübung.«