Die Matrosen bekamen Morgens und Abends Theewasser ohne Zucker, und ein Gläschen Brandwein, des Mittags Hülsenfrüchte, Grütze oder Kartoffeln, dazu Stockfisch, Speck oder gesalzenes Fleisch; Schiffszwieback, der recht gut schmeckt, konnten sie nehmen, so viel sie wollten.

Uebrigens ist die Nahrung noch nicht das Schlechteste, was diese armen Leute haben, deren Leben ein beständiger Kampf gegen die Elemente genannt werden könnte, da sie gerade bei den fürchterlichsten Stürmen, bei Regen und schneidender Kälte fortwährend auf das Deck gewiesen sind. – Ich bewunderte wirklich den Gleichmuth, ja ich möchte sagen, die Heiterkeit und Unverdrossenheit mit der sie ihre schwere Pflicht erfüllen. – Und was haben sie dafür? – Einen kargen Lohn, die eben beschriebene Nahrung, und zur Schlafstelle den kleinsten, unbrauchbarsten Raum im Schiffe, der nicht selten voll Ungeziefer, finster und sehr übelriechend ist, denn da werden außerdem Oelfarben, Firniß und Theer, Stock- und Trockenfische u. s. w. aufbewahrt.

Um dabei zufrieden zu sein, muß man wirklich sehr genügsam und herzensgut sein. – Die dänischen Matrosen sind es aber auch. – Häufig, im Laufe der Reise auf diesem und auf andern Schiffen, hatte ich Gelegenheit mich davon zu überzeugen.

Doch nun, nach all diesen ausführlichen Beschreibungen, ist es höchste Zeit, zur Reise selbst wieder zurückzukehren.

Leider setzten die günstigen Stürme, die uns schon am siebenten Tage bis in die Nähe der isländischen Küste getrieben hatten, plötzlich um, und schlugen uns zurück. Wir lavirten hin und her auf dem sturmbewegten Meere, das mit mancher spanischen Woge[4] unser Schiff ganz überdeckte. Zweimal versuchten wir den Westmanns-Inseln (zu Island gehörig) nahe zu kommen, um da bei günstiger Gelegenheit Anker zu werfen, und unsern Reisegefährten Herrn Brüge abzusetzen; – doch vergebens, immer wieder wurden wir zurückgeschlagen. – Endlich am Schlusse des eilften Tages erreichten wir Havenfiord, einen sehr guten Hafen, zwei Meilen von Reikjavik, der Hauptstadt Islands, entfernt.

Trotz diesem sehr ungelegenen Umsetzen des Sturmes hatten wir eine unerhört schnelle Fahrt gemacht. – Man rechnet von Kopenhagen nach Island in gerader Linie 300 geographische Meilen; – für ein Segelschiff, das hin und her laviren und so viel möglich immer mit dem Winde gehen muß, 350 bis 400. – Hätte der uns Anfangs so günstige Sturm am siebenten Tage nicht umgesetzt, und nur noch 30-40 Stunden angehalten, so würden wir schon am achten oder neunten Tage in Island gelandet haben, – eine Fahrt die selbst ein Dampfer nicht so schnell hätte machen können.

Die Gestade Islands erschienen mir ganz anders, als ich sie den Schilderungen nach, die ich gelesen, mir vorstellte. Ich dachte sie mir kahl, ohne Strauch, ohne Baum, wüst und öde, – und da sah ich Rasenhügel, Gesträuche, ja sogar Waldgruppen kleiner, wie es mir schien, verzwergter Bäume; – doch wir kamen näher und näher, und ich konnte deutlicher unterscheiden. – Da wurden die Rasenhügel zu menschlichen Wohnungen mit kleinen Thüren und Fensterchen, und die Baumgruppen entwirrten sich in 10-15 Fuß hohe Lavamassen, die mit Moos und Gras ganz überwachsen waren. Alles war für mich neu und überraschend; kaum konnte ich erwarten zu landen.

Endlich wurden die Anker ausgeworfen – doch erst am folgenden Morgen schlug die Stunde der Erlösung und Ausschiffung.

Noch eine Nacht – – dann war Alles überstanden, dann konnte ich Island, das lange ersehnte, betreten, und schwelgen in den Wundern dieser kunstarmen, aber dafür naturreichen Insel.