Die ärmsten Pfründen betragen jährlich 6-8 fl., die reichsten 200 fl. Außerdem erhalten sie von der Regierung ein Häuschen, oft nicht viel besser als die Kothe eines Bauers, einige Wiesengründe und etwas Vieh. – Auch ist der Bauer verpflichtet ihnen kleine Gaben, als Heu, Schafwolle, Fische u. s. w. zu liefern. Die meisten Priester sind so arm, daß sie sammt ihrer Familie ebenso gekleidet gehen, wie die Bauern, von denen man sie auch kaum auseinander kennt. – Die Frau sieht dem Viehe nach und melkt Kühe und Schafe, trotz einer Magd, während der Priester auf die Wiese geht, und mit seinem Knechte das Gras abmäht. – Sein ganzer Umgang ist natürlich auch nur auf den Bauer beschränkt, und darin besteht das patriarchalische Leben, das so mancher Reisende entzückend findet und schildert; – ich möchte wissen, ob er es zu führen wünschte?
Ueberdieß hat so ein armer Priester oft noch zwei bis vier Districte zu versehen, die 1 bis 3 Meilen von seinem Wohnsitze entfernt sind. Er muß jeden Sonntag abwechselnd an dem einen oder dem andern Orte den Gottesdienst verrichten, so zwar, daß der Gottesdienst nur alle 3-4 Wochen an einer und derselben Stelle abgehalten wird. – Jedoch darf es der Priester mit seinen Reisen nicht so genau nehmen wie der Arzt, denn ist das Wetter an Sonntagen, besonders im Winter gar zu schlecht, so unterläßt er es die entlegenen Orte zu besuchen. Er würde ohnehin nur für einige Bauern predigen, da die Entfernteren sich ebenfalls nicht einfänden.
Am besten steht der Sysselmann – bei uns so viel als Kreishauptmann. – Der hat einen guten Gehalt und nicht viel zu thun, und an manchen Orten auch das Strandrecht, welches durch das angeschwemmte Holz, das von dem amerikanischen Festlande kömmt, nicht unbedeutend wird.
Fischfang und Jagd sind frei, nur der Lachsfang in den Flüssen ist königlich und wird verpachtet. – Eidergänse dürfen nicht geschossen werden; es ist darauf eine Geldstrafe gesetzt. – Militärpflichtigkeit ist keine. Auf der ganzen Insel bedarf man keines Soldaten, selbst in Reikjavik sind nur zwei Polizeidiener vorhanden.
Der Handel ist ebenfalls frei; – doch besitzen die Isländer so wenig Spekulationsgeist, daß, wenn sie auch die Geldmittel dazu besäßen, sie sich doch nie in solche Spekulationen einlassen würden.
Der ganze Handel liegt also in den Händen dänischer Kaufleute, die alljährlich ihre Schiffe nach Island schicken, und in den verschiedenen Häfen Faktoreien errichtet haben, durch welche der Kleinabsatz geschieht.
Diese Schiffe bringen den Isländern Alles: Getreide, Holz, Weine, Colonial- und Manufactur-Waaren u. s. w. Die Einfuhr ist frei. Es würde sich der Regierung nicht lohnen, für den kleinen Bedarf dieser Insel Zölle zu errichten und Beamte zu erhalten. Colonial-Artikel, Weine u. s. w. sind daher auch bedeutend wohlfeiler als in andern Ländern.
Die Gegenfracht besteht in Fischen – besonders Stockfischen – in Fischrogen, Talg, Thran, Eiderdunen, oder andern Vogelfedern, die den Eiderdunen an Güte sehr nahe kommen, in Schafwolle und eingesalzenem oder geräuchertem Lammfleische. – Sonst haben sie aber auch durchaus nichts; denn als Herr Knudson vor dreizehn Jahren ein Backhaus errichtete,[5] mußte er nicht nur den Baumeister, sondern sogar alle Baumaterialien, als Steine, Kalk u. s. w. von Kopenhagen bringen lassen, denn obwohl die ganze Insel mit Steinmassen und Gerölle überdeckt ist, finden sich doch darunter weder solche Steine, aus denen man einen Backofen erbauen könnte noch solche, aus denen sich Kalk brennen ließe. – Alles ist Lava.
Wenn zwei bis drei Kothen beisammen stehen, so nennt man das schon einen Ort. Diese Orte, so wie auch einzelne Kothen, liegen meist auf kleinen Anhöhen, welche von Wiesen umgeben sind. Die Wiesen werden häufig von einer zwei bis drei Fuß hohen Stein- oder Erdwand umschlossen, um sie gegen das Weiden der Kühe, Pferde und Schafe zu schützen. Das Gras von diesen Wiesen wird zu Heu gemacht, und für die Kühe auf den Winter gespart.
Ueber die Kälte im Winter klagen die Leute nicht sehr; sie soll selten 20 Grade erreichen, und die See soll oft kaum einige Fuß breit an der Küste gefroren sein. Dagegen sollen aber die Stürme und das Schneegestöber oft so heftig und furchtbar sein, daß man kaum vor die Thüre des Hauses treten kann. – Die Tageshelle währt kaum 5 bis 6 Stunden, und die armen Isländer werden nur mit dem Nordlichte entschädiget, das sich hier aber auch ungemein ausbreiten, und die Nächte wunderbar erleuchten soll.