Die Geschäfte meines Mannes forderten seine Gegenwart theils in Wien, theils in Lemberg. Er übergab mir daher gänzlich die Erziehung und Leitung der Knaben; er kannte meinen festen Charakter, meine Beharrlichkeit in Allem was ich unternahm; er wußte, daß ich ihnen Vater und Mutter sein würde.

Als die Erziehung meiner Söhne geendet war, und ich in stiller Zurückgezogenheit lebte, da geschah es, daß meine Jugendträume und Phantasien nach und nach wieder auftauchten. Ich dachte an fremde Sitten und Gebräuche, an andere Welttheile, an einen andern Himmel und Boden. Ich träumte von dem unbeschreiblichen Glücke, jene Orte zu betreten, die unser Heiland durch seine Gegenwart heiligte, – und faßte endlich den Entschluß auch dahin zu wandern.

Ich stellte mir alle Hindernisse und Gefahren vor, ich suchte mich von diesen Ideen loszureißen – doch vergebens. – Aus Entbehrungen machte ich mir wenig, mein Körper war abgehärtet und gesund, den Tod fürchtete ich nicht, und im vorigen Jahrhundert geboren, konnte ich auch allein reisen. Somit war jede Gefahr beseitiget, Alles reiflich überdacht und überlegt, und ich trat mit wahrem Entzücken die Reise nach Palästina an, – und siehe, ich kehrte glücklich zurück. – Ich glaube nun, weder vermessen gegen Gottes Güte zu handeln, noch der Sucht nach Bewunderung beschuldigt werden zu können, wenn ich meinem innern Drange folge, und mich noch weiter in der Welt umsehe. – Island wählte ich, weil ich da eine Natur zu finden hoffte, wie nirgends in der Welt. Ich fühle mich in der Anschauung erhabner Naturscenen so überirdisch glücklich, meinem Schöpfer so nahe gebracht, daß in meinen Augen keine Beschwerde, keine Mühe zu groß ist, wenn ich solche Empfindungen darum erkämpfen kann.

Und sollte mich einst auf einer meiner Wanderungen der Tod ereilen, so werde ich ihm ruhig entgegen sehen, und Gott innig danken für die heiligen schönen Stunden, welche ich lebte, wenn ich seine Wunder schaute.

Dich, lieber Leser, bitte ich, mir nicht zu zürnen, daß ich so viel von mir schrieb. Allein weil diese meine Reisebegierde sich, nach den Begriffen der meisten Menschen, für eine Frau nicht ziemt, so mögen diese meine angebornen Gefühle für mich sprechen und mich vertheidigen.

Beurtheile mich nicht zu strenge, gönne mir vielmehr eine Freude, die Niemanden schadet und mich so glücklich macht.

Die Verfasserin.

Abreise von Wien.

Im Jahre 1845 trat ich also abermal eine bedeutende Reise an, und zwar nach dem hohen Norden. – Island war eine jener Gegenden, nach denen ich mich seit dem Anfange meines Denkens sehnte. – In diesem von der Natur ganz eigenthümlich ausgestatteten Lande, das wohl nirgends auf Erden seines Gleichen finden mag, da hoffte ich Dinge zu schauen, die mich mit neuem, unnennbarem Erstaunen erfüllen würden. – – O, mein gütiger Gott, wie bin ich Dir so dankbar, meine Lieblingsträume sich in Erfüllung verwandeln zu sehen! –

Von allen meinen Lieben nahm ich dießmal viel leichteren Abschied; ich hatte nun schon erprobt, daß eine Frau mit festem Willen in der Welt eben so gut fort kömmt, wie ein Mann, und daß man überall gute Menschen findet. – Dazu kam noch, daß die Beschwerden auf dieser Reise nur kurze Zeit währen dürften, und daß ich in fünf bis sechs Monaten wieder bei den Meinigen sein konnte.