Wie in der ganzen Welt, wird auch in Island jede Gelegenheit gleich zu einem Schmause und zu einer Unterhaltung benützt. – Der Tag, an welchem wir dem Lachsfange beiwohnten, war einer der seltenen schönen Sommertage. Da wurde denn gleich von mehreren Kaufleuten verabredet, den Tag und den Fischfang durch ein Gabelfrühstück zu verherrlichen. Jeder steuerte etwas bei, und so kam ein reichhaltiges, elegantes Frühstück zu Stande, bei dem es ganz nach unserer Art zuging, den einzigen Umstand ausgenommen, daß wir uns, aus Mangel an Tischen und Bänken, auf den Boden lagern mußten. Spanische und französische Weine, so wie kalter Punsch, waren im Ueberflusse vorhanden, und verbreiteten alsbald große Fröhlichkeit.
Ich sah bei dieser Gelegenheit eine neue Art, Butter-Schnitten mit Lammfleisch oder Käse mit sich zu führen. – Sie wurden schon zu Hause bereitet, mit den Fleisch- oder Käseschnitten belegt, und je zwei und zwei auf einander gethan. – So verpackt konnten sie unbeschädigt überall hingebracht werden.
Ein vierter Ausflug, den ich machte, war noch kürzer; er führte mich nur ⅓ Meile von Reikjavik weg zu einer heißen Quelle, die etwas Schwefel enthält, und zu einem kalten Flüßchen, das diese heiße Quelle in sich aufnimmt. – Durch diesen glücklichen Verein findet man da jede wünschenswerthe Temperatur, vom Siedpunkte bis zur bedeutenden Kälte. Die Städter benützen aber auch diese schöne Gelegenheit, und zwar zu zweifachem Gebrauche, zum Waschen und zum Baden. Ersterer ist unstreitig der wichtigere, und deßhalb hat man auch eine hölzerne Hütte errichtet, um die armen Leute während dieser Arbeit gegen Sturm und Wetter zu schützen. Früher war diese Hütte auch mit einer guten Thür und mit Glasfenstern versehen, und der Schlüssel befand sich an einem bestimmten Orte in der Stadt, wo ihn Jedermann haben konnte. Allein da waren die Dienstleute oder Bäuerinen das zehntemal zu träge den Schlüssel abzuholen; sie sprengten gleich das Schloß auf und schlugen die Fenster ein, und so gleicht denn dieses Hüttchen jetzt nur mehr einer Ruine, die nur ganz wenig Schutz verleihen kann. – Daß doch die Menschen überall gleich, und nur dann gut sind, wenn sich ihnen nichts in den Weg stellt! – Und leider ist dann das Verdienst weniger ihnen, als den glücklichen Umständen zuzuschreiben. – Was das Kochen betrifft, so bringen viele Leute Kartoffeln oder Fische mit, die sie nur in die heiße Quelle zu legen brauchen, um sie gleich zubereitet zu finden.
Zum Baden wird diese Quelle weniger benützt, höchstens kommen einige Kinder oder Bauern in der Absicht dahin. – Als Heilmittel kennt man sie gar nicht.
Die Schwefel-Quellen und Schwefel-Berge zu Krisuvik.
Der vierte Juni war zur Abreise bestimmt. – Es gab nur noch etwas Brod, Käse, Zucker und Kaffee einzupacken, dann wurde gesattelt und um sieben Uhr glücklich die Reise angetreten.
Ich war allein mit meinem Führer, der, wie alle seine hiesigen Standesgenossen, gerade nicht am liebenswürdigsten war. – Er war sehr träge, sehr interessirt und kümmerte sich nur höchst ungern um mich und meine Pferde, desto mehr um Brandwein, den man leider im ganzen Lande findet.
Die Gegend zwischen Reikjavik und Havenfiord hatte ich bereits bei meiner Ankunft in Island gesehen.
In der jetzt vorgerückten Jahreszeit war sie etwas freundlicher; zwischen den Lavablöcken sproßten Erdbeerpflanzen, doch noch ohne Blüthen, blaue geruchlose Veilchen und schönes acht bis zehn Zoll hohes Farrenkraut. Ueberhaupt war hier, trotz der geringen Entfernung, die Vegetation üppiger, als bei Reikjavik, denn da fand ich gar keine Erdbeerpflanzen, und die Veilchen waren noch nicht in der Blüthe. – Ich glaube, daß dieser Unterschied der Vegetation von den mächtigen Lavawänden herrühren mag, deren es bei Havenfiord eine große Menge gibt, und die den zarten Pflanzen und Kräutern als Schutz gegen die rauhen Winde dienen. Besonders sah man Gras und die oben genannten Pflanzen in den kleinen Vertiefungen, welche aus Lavamassen gebildet sind, herrlich gedeihen.