Man ist in der Mitte der gräßlichsten Schluchten, Höhlen, Ströme, Thäler und Berge; man faßt es kaum, wie es möglich gewesen sei, bis hierher zu dringen, und wird von Angst und Entsetzen ergriffen bei dem unwillkührlich sich aufdringenden Gedanken, vielleicht nimmer wieder aus diesem gräßlichen Labyrinthe hinaus finden zu können.
Hier, von der Spitze des Hekla konnte ich weit hinein in das unbewohnte Land sehen – das Bild einer erstarrten Schöpfung, todt und regungslos, und doch dabei so einzig großartig, – ein Bild, das, nur einmal gesehen, nie mehr dem Gedächtnisse entschwindet, und dessen Erinnerung allein schon für alle ausgestandenen Beschwerden und Gefahren reichlich entschädiget! Eine ganze Welt von Gletschern, Lavamassen, Schnee- und Eisfeldern, Flüßen und kleinen Seen liegt da aufgeschlossen, nie hat es ein menschlicher Fuß gewagt, ihr Inneres zu betreten. – Wie muß es da gewüthet und gearbeitet haben, bis solche Gestaltungen geschaffen wurden? – Und wird es nun genug damit sein? – Hat das Element ausgetobt, oder ruht es nur, gleich der hundertköpfigen Hydra, um mit verdoppelter Kraft wieder hervor zu brechen, und auch noch jene Gegenden zu verwüsten, die ohnehin schon, so weit dem Meere zugedrängt, sich nur als bescheidener Kranz um das Innere des Landes winden. – Ich danke Gott, daß er mich dies Chaos seiner Schöpfung schauen ließ; aber doppelt danke ich ihm, daß er mich in Gefilden leben läßt, wo die Sonne mehr zu thun hat, als nur den Tag zu schaffen; wo sie wirkend und wärmend Pflanzen und Thiere belebt, und das Herz des Menschen zur Freude und zum Dank gegen den Schöpfer stimmt.[ [3]
Die Westmanns-Inseln, die man vom Hekla aus erblicken soll, konnte ich nicht finden, wahrscheinlich waren sie von Wolken verdeckt.
Schon während der Besteigung des Hekla hatte ich häufig die Lava berührt, theils unfreiwillig, wenn ich fiel, theils freiwillig, um eine heiße oder wenigstens warme Stelle zu finden. – Ich war so unglücklich auf lauter kalte zu treffen. Nichts konnte mir daher erwünschter kommen, als der so eben gefallene Schnee. Ueberall sah ich begierig herum, ein Plätzchen zu entdecken, wo ihn die unterirdische Hitze nicht dulden würde. – Dahin wäre ich dann geeilt, und das Gesuchte wäre gefunden gewesen. – Leider blieb der Schnee an allen Orten liegen. Auch Rauchwolken sah ich nirgend aufsteigen, obwohl ich stundenlang meine Augen nicht von dem Berge wendete, den ich hier auch von allen Seiten bis tief hinab ganz überschauen konnte.
Als wir hinab stiegen, fanden wir in einer Tiefe von 5-600 Fuß den Schnee im Schmelzen; noch tiefer rauchte der ganze Berg, eine Erscheinung, die ich für eine Folge der plötzlich eingetretenen Sonnenwärme hielt; mein Thermometer zeigte nämlich jetzt neun Grade Wärme. Ich beobachtete sie häufig auch an Bergen, die nicht zu den Feuerspeiern gehörten. – Die Stellen, wo der Rauch aufstieg, waren ebenfalls kalt.
Die eigentliche glatte, kohlschwarze, glänzende und durchaus nicht poröse Lava findet man nur auf dem Hekla selbst und in seinen nähern Umgebungen. Doch ist nicht alle Lava so; man sieht auch zackige, glasige und poröse; jede ist aber schwarz, so wie ebenfalls der Sand, welcher eine Seite des Hekla überdeckt. Je weiter Lava und Sand von diesem Berge entfernt sind, desto mehr verlieren sie jene Schwärze, und ihre Farbe geht ins eisenfarbige, ja sogar ins lichtgraue über; manche Lava behält jedoch, selbst bei dieser lichten Farbe, den Glanz und die Glätte der schwarzen bei.
Nach dem mühevollsten Herabsteigen, und nachdem wir zur ganzen Partie über zwölf Stunden verwendet hatten, erreichten wir glücklich wieder Sälsun, und ich wollte mich eben, etwas niedergeschlagen, in meine frühere Wohnung begeben, schaudernd bei dem Gedanken, hier abermals eine Nacht zubringen zu müssen, – da überraschte mich mein Führer sehr angenehm durch die Frage, ob ich nicht vielleicht heute noch nach Struvellir wolle? Die Pferde seien hinlänglich ausgeruht, und dort könnte ich doch im Hause des Priesters ein gutes Zimmer bekommen. – Rasch war Alles zusammen gepackt und im Kurzen saß ich wieder zu Pferde. – Als ich jetzt zum zweiten Male in die tiefe Rangaa kam, durchritt ich sie schon furchtlos, und bedurfte keines Schutzes mehr an der Seite. – So ist der Mensch; nur das erstemal schreckt ihn die Gefahr; hat er sie glücklich überwunden, denkt er das künftige Mal kaum mehr daran, und begreift gar nicht, wie er da so große Furcht haben konnte.
In der Nähe dieses Stromes sah ich eine Merkwürdigkeit, – fünf kleine Bäumchen, die auf einer Wiese standen. Ihre Stämme waren zwar schief und knotig, aber dennoch 6-7 Fuß hoch, und mochten 4-5 Zoll im Durchmesser haben.
Wie mein Führer behauptet hatte, fand ich wirklich in dem Hause des Priesters ein niedliches Zimmerchen sammt einem guten Bette. Herr Horfuson ist einer der besten Menschen, die mir im Leben vorgekommen sind. – Mit größter Freude ergriff er jede Gelegenheit mir ein Vergnügen zu machen; ich habe ihm auch mehrere schöne Mineralien, und ein isländisches Buch vom Jahre 1601 zu verdanken. – Gott lohne ihm seine Güte und Herzlichkeit.