Mein Führer sagte mir, daß er noch nie Jemanden zu Pferde so weit geführt habe, wie mich. – Ich glaube es gerne, – schon das Gehen war schrecklich, das Reiten aber wahrhaft fürchterlich!

Auf jeder erkämpften Höhe entrollten sich neue Bilder der ödesten, traurigsten Gegend. Alles war starr und todt, überall ausgebrannte schwarze Lava. – Es war ein schmerzliches Gefühl, so weit zu sehen, und doch nichts zu erschauen, als eine steinige Wüste, ein unermeßliches Chaos.

Noch hatten wir zwei Höhen zu erklimmen, – es waren die letzten, aber auch die schrecklichsten. Da ging es steil über Lavamassen, die ordentlich stachelig waren, und die ganze Spitze des Berges bedeckten. – Wie oft ich da fiel, und wie oft ich mir die Hände an den feinen Zacken der Lava aufritzte, kann ich gar nicht sagen. Ach! es war eine gräßliche Partie.

Die blendende Weiße des Schnees wirkte beinahe blind machend gegen die glänzend schwarze Lava daneben. Wenn ich Schneefelder ersteigen mußte, sah ich nach der Lava gar nicht hinüber; ich hatte es einigemal versucht, und hätte darauf bald meinen Weg nicht mehr gesehen, ich wäre schneeblind geworden.

Endlich nach abermaligem zweistündigem Klettern war die Spitze des Berges erstiegen. – Ich stand nun auf dem Hekla, und suchte vor Allem den Krater auf der schneelosen Spitze, und – fand ihn nicht. Ich war um so mehr erstaunt auf dem Hekla keinen Krater zu finden, da ich in einigen Reisebeschreibungen ganz ausführliche Berichte davon gelesen hatte.

Ich umging die ganze Spitze des Berges, ich kletterte bis zu dem anstoßenden Jokul – nirgends bemerkte ich eine Oeffnung, einen Riß, eine eingedrückte Wand, oder sonst irgend ein Anzeichen eines Kraters. Nur an den etwas tiefer gelegenen Seiten des Berges, aber durchaus nicht an dem eigentlichen Kogel, sah ich weite Risse und Schlünde, aus welchen sich wahrscheinlich die Lavaströme ergossen haben werden.

Die Höhe des Berges soll 4300 Fuß betragen.

Schon während der letzten Stunde unseres Hinaufklimmens hatte sich die Sonne verdunkelt. Nebelwolken stürmten von den nahen Gletschern herüber, verbargen die Ferne, und hüllten bald auch uns dermaßen ein, daß wir kaum zehn Schritte weit sehen konnten. Endlich lösten sie sich auf, – aber glücklicher Weise nicht in Regen, sondern in Schnee, der in reichlicher Menge die schwarze krause Lava mit großen Flocken überstreute. – Der Schnee blieb liegen, und der Thermometer wies 1 Grad Kälte.

Nach und nach erschien der Himmel wieder in seinem unnachahmlichen zarten Blau, und auch die Sonne säumte nicht länger uns zu erfreuen. Ich blieb oben auf der Spitze des Berges, bis die Wolken auch in der Ferne sich theilten und mir eine willkommene Rundansicht gestatteten.

Solch ein Bild, wie ich es hier sah, meinen Lesern zu versinnlichen, ihnen die Zerstörung, Ausdehnung und Anhäufung dieser Lavamassen zu beschreiben, ist leider meine Feder viel zu schwach. – Ich meinte in einem Krater zu stehen, das Ganze schien mir ein ausgebrannter Feuerherd. – Hier waren Lavamassen übereinander gethürmt zu steilen unersteigbaren Bergen, – dort füllten versteinerte Ströme, deren Breite und Länge ich gar nicht ersehen konnte, unermeßliche Thäler. – Alles war über- und durcheinander geworfen, und doch unterschied man wieder deutlich die Bahn der letzteren Ausbrüche.