Das Thal, in welchem Sälsun und der Hekla liegen, ist eben wieder eines derjenigen, die man nur in Island finden kann. – Es umfaßt die größten Contraste. Da sind wunderliebliche Fluren, wie mit einem prächtigen sammtgrünen Teppiche überzogen, dort wieder Hügel von schwarzer, glänzender Lava; – ja die Wiesen selbst sind durchschnitten von Lavaströmen und Sandflächen. Bekanntlich hat der Hekla die schwärzeste Lava und den schwärzesten Sand; hier ist nun Alles von ihm, Hügel und Berg, Lava und Sand; und man kann sich denken, wie das aussieht. Ein einziger Berg an der linken Seite des Hekla ist rothbraun, und mit Sand und Gerölle von derselben Farbe ganz bedeckt. In der Mitte ist er stark eingesunken, und scheint einen großen Krater zu bilden. – Der Hekla selbst schließt sich unmittelbar an die rund um ihn her aufgethürmten Lavaberge, und erscheint von hier gesehen auf ihnen, wie ein höherer Aufsatz. Er ist von mehreren Gletschern umgeben, deren glänzende Schneefelder sich tief herab neigen, und deren Flächen wohl nie von einem menschlichen Fuße betreten wurden. Mehrere seiner Seitenwände waren ebenfalls mit Schnee bedeckt. Links im Thale bei Sälsun, und am Fuße eines Lavahügels liegt ein lieblicher See, an dessen Ufer eine bedeutende Schafheerde gelagert war. – Unweit davon steht ein schöner Berg, so vereinzelt und abgesondert, als ob er von seinen Nachbarn verstoßen und hierher gewiesen worden wäre. – Ueberhaupt ist die Ansicht dieser ganzen Landschaft so echt isländisch, so eigen und merkwürdig, daß sie gewiß für immer meinem Gedächtnisse eingeprägt bleiben wird.

Das Oertchen Sälsun liegt am Fuße des Vorgebirges Hekla; man sieht es aber erst, wenn man es schon beinahe erreicht hat.

Als wir zu Sälsun angelangt waren, war das Erste, einen Führer zu suchen, und Alles zur Besteigung des Hekla vorzubereiten und auszuhandeln. Der Führer hatte für mich ein Pferd zu schaffen, und mich nebst meinem frühem Führer bis auf die Spitze des Hekla zu geleiten. – Er begehrte 5 Thaler und 2 Mark, nach unserem Gelde 5 fl. 20 kr. CM., eine unverschämte Forderung, – für das Pferd rechnete er nur 20 kr., für sich selbst 5 fl., – eine Summe, mit der er gewiß einen ganzen Monat leben konnte. – Doch was war zu machen? Ein anderer Führer war nicht zu finden, das wußte er wohl, und so mußte ich in Gottes Namen einwilligen. – Nachdem Alles geordnet war, empfahl sich mein gütiger Beschützer, mir viel Glück zur morgigen beschwerlichen Reise wünschend.

Ich sah mich nun nach einer Stelle um, wo ich die Nacht zubringen konnte; – ach, ein ekelhaftes Loch ward mir zu Theil. Man stellte mir eine Truhe hinein, die etwas kürzer war als meine Person, die sollte mir zur Schlafstelle dienen; neben ihr hing ein mehr als ellenlanger halb verfaulter Fisch, der bereits das ganze Gemach mit seinem Gestank verpestet hatte. Ich konnte kaum Athem holen, und mußte, da keine andere Oeffnung vorhanden war, die Thüre offen lassen, und derart die zahlreichen Besuche der liebenswürdigen Einwohner empfangen. – Wahrhaftig eine schöne Erholung und Stärkung für die morgende Reise!

Am Fuße des Hekla, und besonders in dieser Gegend, scheint Alles unterhöhlt zu sein. – Solch dumpfe dröhnende Töne, wie sie hier den schweren Fußtritten der Bauern nachhallten, hörte ich weder auf dem Vesuv, noch sonst wo. – Diese Töne machten einen besonders schauerlichen Eindruck auf mich, da ich in der Nacht so ganz allein in diesem finstern Loche eingeschlossen war.

Mein Hekla-Führer – ich nenne ihn so zum Unterschiede meines andern – meinte, daß wir Morgens um zwei Uhr aufbrechen sollten. Ich war vollkommen damit einverstanden, wußte aber schon voraus, daß wir um fünf Uhr auch noch nicht zu Pferde sitzen würden.

Wie gedacht, so geschehen. Erst um halb sechs Uhr waren wir vollkommen ausgerüstet, und zum Aufbruche bereit. Außerdem, daß wir Brod und Käse, eine Flasche Wasser für mich und eine Flasche Brandwein für meine Führer mitnahmen, hatten wir uns auch mit langen Stöcken, die unten in eisernen Spitzen ausgingen, versehen, um damit den Schnee sondiren, und uns auf sie stützen zu können.

Der schönste, wärmste Morgen begünstigte uns, und guten Muthes galoppirten wir über die Wiesen, und die daran stoßenden Sandflächen. Mein Führer nahm dieß schöne Wetter für eine besonders glückliche Vorbedeutung; er sagte mir, daß Herr Geimard – der bereits erwähnte französische Gelehrte und Naturforscher – drei Tage auf schönes Wetter habe warten müssen. – Dieß sei nun schon neun Jahre, und seitdem habe Niemand den Hekla erstiegen. Ein Prinz von Dänemark, der vor einigen Jahren ganz Island bereiste, sei zwar auch da gewesen, aber unverrichteter Sache wieder weiter gezogen.

Der Weg führte anfänglich, wie gesagt, über eine schöne Wiese, und dann über Flächen von schwarzem Sande, die von allen Seiten von Strömen, Hügeln und Bergen aufgethürmter Lava umfangen sind. Immer mehr und mehr rücken diese furchtbaren Massen zusammen, und gewähren oft kaum den Ausweg durch eine enge Schlucht; da muß man über Lava-Blöcke klettern, Hügel und Berge erklimmen, und findet kaum ein Plätzchen, den Fuß fest zu stellen. Lava rollte neben und hinter uns, und wir mußten sehr auf der Hut sein, nicht selbst zu rollen, oder von der rollenden Lava getroffen zu werden. Das Gefährlichste waren aber die mit Schnee ausgefüllten Schluchten, über die wir setzen mußten; der Schnee war, durch die Wärme der vorgerückten Jahreszeit, doch schon erweicht worden, und so sanken wir beinahe bei jedem Schritte ein, oder was noch schlimmer war, glitten oft mehr zurück als wir vorwärts kamen. Ich glaube kaum, daß es einen zweiten Berg geben kann, bei dessen Ersteigung man mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Nachdem wir nach vierthalbstündiger Mühe den letzten Höhen des Berges nahe kamen, mußten wir auch die Pferde zurück lassen. – Ich hätte dieß zwar schon lange gethan, da mich die armen Thiere erbarmten, wie sie über die Abhänge, man könnte beinahe sagen, über diese rollenden Berge, mehr fielen als kletterten, aber mein Hekla-Führer ließ es nicht zu. Theilweise kamen doch Stellen, wo wir sie benützen konnten, und dann behauptete er, müsse ich so weit als möglich reiten, um den nachfolgenden Beschwerden gewachsen zu sein. – Und er hatte recht; – ich glaube kaum, daß ich es ausgehalten hätte, all diese Strecken zu Fuß zurück zu legen; denn wenn man schon glaubt den letzten Höhen des Berges ganz nahe zu sein, lagern sich abermals Hügel und Ströme von Lava dazwischen, und man sieht sich vom Ziele entfernter als zuvor.