In einem dieser Thäler lag auch ein ziemlich bedeutender See, an und um welchen einige Dampfwolken empor wirbelten, die von unbedeutenden heißen Quellen aufstiegen.

Nun aber, nachdem wir schon bei 5-6 Meilen zurückgelegt hatten, kam das Merkwürdigste das mir noch je vorgekommen ist; – es war dieß ein Strom mit einem ganz eigenthümlichen Flußbette.

Dieses Flußbett ist breit und etwas abschüssig; es besteht aus Lavaschichten und ist in der Mitte der Länge nach durch eine 18-20 Fuß tiefe, und 15-18 Fuß breite Schlucht getheilt, der sich das Wasser brausend und schäumend zudrängt, so daß man schon von weitem das Rauschen desselben hört. – Ueber diese Kluft führt ein hölzernes Brückchen, das in der Mitte des Flusses steht, und stets von den hochaufspringenden Wogen bespühlt wird. – Wer nun nicht näher unterrichtet ist, kann sich schwerlich diesen Anblick, so wie das Tosen und Brausen des Stromes enträthseln. – Das Stückchen Brücke mitten im Flusse würde man für den Rest einer eben zerstörten Brücke halten, und die Kluft sieht man vom Ufer aus nicht, weil sie von den aufschäumenden Wellen überragt ist. – Gewiß, von einer unbeschreiblichen Bangigkeit wird man erfaßt, sieht man den verwegenen Führer in den ungestümen Fluß hineinreiten, und muß ihm dann ohne Gnade und Barmherzigkeit folgen.

Der Priester zu Thingvalla hatte mich auf diese Scene schon vorbereitet, und mir gerathen, über diese Brücke zu gehen. Da aber der Wasserstand in dieser Jahreszeit so groß war, daß die Wogen von allen Seiten bei 2 Fuß hoch über die Brücke schlugen, konnte ich nicht absteigen, und mußte hinüber reiten.

Die ganze Passage durch den Strom war so eigen, daß man sie sehen muß, aber schwer beschreiben kann. Mit furchtbarer Gewalt tobt und ras't das Wasser von allen Seiten; es stürzt mit heftigem Ungestüm in die Kluft, bildet von beiden Seiten Fälle, und zerschellt beinah an den emporragenden Klippen. – Unweit der Brücke endet die Kluft, und der Strom stürzt dann in seiner ganzen Breite über 30 bis 40 Fuß hohe Felsen. Je mehr wir der Mitte zukamen, desto wüthender, tiefer und reißender wurde der Strom, desto betäubender das Getöse. Die Pferde wurden ängstlich und scheu, und als wir über die Brücke reiten wollten, fingen sie an zu zittern, sträubten sich, wandten sich nach allen Seiten, nur nicht nach der rechten, und versagten uns durchaus den Gehorsam. Mit unendlich vieler Mühe gelang es uns endlich, sie über diese gefahrdrohende Stelle zu bringen.

Das Thal, welches von diesem originellen Flußbette durchschnitten wird, ist enge, und ganz von Lava-Bergen und Hügeln umfaßt; die erstorbene, lautlose Natur vollkommen geschaffen, dem Wanderer diese grausige Scene für immer in's Gedächtniß zu prägen.

Dieser merkwürdige Strom war das letzte Hinderniß gewesen, und nun ging es ruhig und gefahrlos in einem schönen Thale fort, bis zu dem Geiser, den jedoch ein vorliegender Hügel meinem spähenden Auge noch lange verbarg. – Endlich war auch dieser Hügel umritten, und ich sah den Geiser mit seinen Umgebungen, mit den mächtigen Dampfsäulen, mit den zahllosen Wolken und Wölkchen. – Von diesem Hügel hatten wir noch eine kleine halbe Meile an den Geiser, und die ihn umgebenden heißen Quellen. Da kochten und sprudelten sie rings um ihn herum, und mitten durch führte der Weg zu seinem Becken. – Achtzig Schritte vor diesem wurde Halt gemacht.

Und nun stand ich da – vor einem Hauptziele meiner Reise; ich sah es, – es lag so nahe vor mir, und doch wagte ich keinen Schritt weiter. – Ich wußte nicht, ob und wie weit man sich dem Becken nähern dürfe. – Da kam ein Bauer, der uns aus einer der nahen Kothen gefolgt war, und meine Begierde und Furcht errathen haben mochte; der nahm mich bei der Hand und machte meinen Cicerone. Leider hatte er aber, da es gerade Sonntag war, der Brandweinflasche etwas zu tapfer zugesprochen, so daß er mehr taumelte als ging, – und diesem Menschen nun, von dem ich nicht wußte, ob er noch Verstand genug besäße, unterscheiden zu können, wie weit man sich überall wagen dürfe, sollte ich mich anvertrauen? – Zwar versicherte mich mein Führer, der mich von Reikjavik hierher begleitet hatte, daß ich ihm dessen ungeachtet trauen dürfe, und daß er selbst mitgehen werde, um mir sein isländisches Kauderwelsch in das Dänische zu übersetzen, aber dennoch folgte ich ihm nicht ohne einige Furcht.

Er führte mich also bis an den Rand des Beckens des Geisers, der auf einer sanften Erhöhung von höchstens 10 Fuß liegt und in sich das Becken und den Kessel faßt. Der Durchmesser des Beckens mag 30 Fuß betragen, der des Kessels 6-7 Fuß. Beide waren bis an den Rand gefüllt, das Wasser war rein wie Crystall, kochte und brauste aber nur sehr wenig. Bald verließen wir diese Stelle; denn, ist Becken und Kessel mit Wasser ganz angefüllt, so ist es höchst gefährlich sich ihm zu nähern, da er sich alle Augenblick durch einen Ausbruch entleeren kann. Wir gingen also die andern Quellen zu besichtigen.

Mein begeisterter Führer bezeichnete mir jene, denen ich ungescheut nahen dürfe, und warnte mich vor den andern. Dann kehrten wir wieder in die Nähe des Geisers, wo er mir noch einige Verhaltungsregeln für den Fall eines statthabenden Ausbruches gab, und mich dann verließ, um Anstalt zu meinem Aufenthalte zu treffen. – Ich will hier in Kurzem die Regeln meinen Lesern mittheilen.