»Die Wassersäule steigt immer senkrecht in die Höhe, und das überströmende Wasser hat seine Hauptabzüge stets auf einer und derselben Seite; von dieser muß man sich daher entfernt halten. An den andern Seiten läuft zwar auch Wasser ab, aber nur in sehr geringer Menge, und in unförmlichen Rinnen, denen man leicht ausweichen kann. – Man kann sich daher von diesen Seiten selbst bei den stärksten Ausbrüchen bis auf vierzig Schritte nahen. Der Ausbruch selbst kündigt sich durch ein dumpfes Gebrüll an. Wie man nun dieß vernimmt, muß man sich gleich auf die bezeichnete Stelle begeben, da der Ausbruch sehr schnell darauf folgt. Das Wasser steigt jedoch nicht jedesmal in die Höhe, oder oft auch nur unbedeutend, so daß man, um eine schöne Explosion zu sehen, manchmal mehrere Tage verweilen muß.«

Für das Unterkommen der Reisenden sorgte wahrhaft edelmüthig der französische Gelehrte, Herr P. Geimard, der vor einigen Jahren ganz Island bereiste. Er ließ nämlich zwei große Zelte zurück, und zwar das eine hier, und das andere in Thingvalla. Das hiesige ist besonders zweckdienlich, da man, wie gesagt, oft mehrere Tage auf einen schönen Ausbruch warten muß. – Gewiß wird jeder Reisende, wenigstens in Gedanken, ihm Dank für diese Annehmlichkeit zollen. – Ein Bauer, derselbe, der die Reisenden an den Quellen herum führt, hat es zu bewahren, und muß es gegen ein Trinkgeld von 1 bis 2 fl. Jedermann aufschlagen.

Als ich mit meinem Zelte in Ordnung kam, war es bereits 11 Uhr Nachts. Da empfahlen sich Alle, und ich blieb allein zurück.

Man pflegt immer die Nacht zu durchwachen, um keinen Ausbruch zu versäumen. Für mehrere Reisende ist nun zwar ein abwechselndes Wachen keine sehr schwere Sache, für mich allein war es aber doch eine arge Last; – und einem isländischen Bauer ist nicht zu trauen; den könnte oft kaum ein Ausbruch des Hekla erwecken.

Ich saß bald vor, bald in dem Zelte und horchte mit gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen sollten; endlich – nach Mitternacht – der Geisterstunde – vernahm ich einige dumpfe Töne, als würde in weiter Ferne eine Kanone gelöst, und deren echoähnlicher Schall durch den Luftzug herüber getragen. – Ich stürzte aus dem Zelte, und erwartete nun in Folge der Beschreibungen, welche ich gelesen hatte, unterirdisches Getöse, heftiges Krachen und Erzittern der Erde, als Vorläufer des eigentlichen Ausbruches. – Kaum konnte ich mich einer Anwandlung von Furcht erwehren. Um Mitternacht bei einer solchen Scene sich allein zu wissen, ist denn doch keine kleine Sache.

Manche meiner Freunde und Freundinen werden sich vielleicht erinnern, wie ich ihnen schon bei meiner Abreise sagte, daß ich mir vorstelle, auf den Reisen in Island vorzüglich in den Nächten am Geiser der meisten Herzhaftigkeit zu benöthigen.

Diese dumpfen Laute ließen sich nur in sehr kurzen Zwischenräumen 13 Mal vernehmen; nach einem jedesmaligen Laute überlief das Becken, und entleerte sich immer bedeutender Portionen Wassers. Die Töne selbst schienen nicht von einem unterirdischen Tosen, sondern von den starken, heftigen Aufwallungen des Wassers herzurühren. – Nach anderthalb Minuten war Alles vorüber; das Wasser floß nicht mehr über, Kessel und Becken blieben ziemlich gefüllt, und – in jeder Hinsicht getäuscht kehrte ich wieder in mein Zelt zurück. – Diese Erscheinungen wiederholten sich alle 2½, spätestens alle 3½ Stunden. Ich sah und hörte die ganze Nacht nichts anderes, so wie auch am folgenden Tage und in der zweiten Nacht. Vergebens sah ich einem Ausbruche entgegen.

Nachdem ich mit dieser periodischen Beschaffenheit meines Nachbars vertraut geworden war, überließ ich mich in den Zwischenräumen entweder einem leisen Schlummer, oder ich besuchte die andern Quellen und ging auf Entdeckungen aus – nach den kochenden Brodem, und nach den verschiedenen farbigen Quellen, welche hier gesehen zu haben manche Reisebeschreiber behaupten.

Alle heißen Quellen sind in einem Umkreise von 800 bis 900 Schritte vereint; mehrere derselben sind merkwürdig, die meisten aber unbedeutend.

Sie liegen in einem Winkel eines ungeheueren Thales am Fuße eines Hügels, hinter welchem sich eine Gebirgskette erhebt. Das Thal ist ganz mit Gras bewachsen, und die Vegetation ist nur unmittelbar in der Nähe der Quellen etwas geringer. – Auch liegen überall Kothen, ja die nächsten an den Quellen mögen kaum 7-800 Schritte davon entfernt sein.