Diesen Tag über waren uns gewiß sechs oder sieben Dampfschiffe begegnet, die Alle schwedischen oder norwegischen Kaufleuten gehörten. Es gewährte einen eigenen interessanten Anblick, diese Schiffe in den hohen Schleußen auf und ab steigen zu sehen.

5. September.

Als wir noch gestern spät in der Nacht Wennersborg verließen, und uns auf dem See herumtrieben, erhob sich ein widriger Wind, oder vielmehr ein kleiner Sturm, der zwar für ein gutes Fahrzeug nichts zu bedeuten gehabt hätte, dem aber das unsrige doch nicht gewachsen war. Vergebens mühte sich der arme Kapitain die ganze Nacht hindurch ab, das Fahrzeug über den See zu bringen, – er mußte seinem Versuche entsagen, wieder zurückkehren, und irgend an einer Stelle Anker werfen. – Wir verloren bei dieser Gelegenheit unser Hilfsboot; eine mächtige Welle schlug über das Schiff und riß es mit sich fort; wahrscheinlich war es so gut befestiget gewesen, als unsere Kisten und Koffer.

Obwohl es erst neun Uhr Morgens war, erklärte der Kapitain dennoch, während des Tages nicht weiter fahren zu können; nur wenn es gut ginge, wäre er im Stande die Reise gegen Mitternacht fortzusetzen. – Glücklicherweise wagte sich ein Fischerboot heran, und einige von uns ließen sich ans Land setzen. Auch ich that dieß und benützte diesen Zufall, einige Bauernhütten zu besuchen, die unfern des Sees am Saume eines Waldes lagen. Ich fand sie zwar auch ärmlich, aber doch aus zwei Gemächern bestehend, die einige Betten und andere Geräthschaften enthielten; auch die Leute waren etwas besser gekleidet als jene in Norwegen. Selbst die Kost der Leute war nicht so übel; sie kochten aus grobem schwarzen Mehle ein dickes Muß, das dann mit süßer Milch verspeiset wurde.

6. September.

Erst des Morgens ein Uhr lichteten wir die Anker – Nach ungefähr fünf Stunden kamen wir an die kleine Insel Eken, die aus lauter Felsen besteht, und von einer Menge noch kleinerer Inseln und Klippen umgeben ist. Es ist hier einer der bedeutenderen Landungsplätze des See's. – Ein ziemlich großes hölzernes Magazin steht nahe am Ufer, und in dieses werden die verschiedenen Artikeln von der Umgebung geschafft und an Bord gebracht, und so umgekehrt. Man sieht hier immer einige Schiffe vor Anker liegen.

Nun mußten wir uns durch ein Heer von Inseln durchwinden, bis wir wieder den großen See erreichten der außer seiner Größe nicht viel Sehenswerthes bietet. – Seine Ufer sind größtentheils kahl und einförmig, und nur hie und da mit Waldungen oder niederen Hügeln umgeben; selbst der Hintergrund zeichnet sich durch nichts aus. – Zu den schönsten Ansichten gehört noch das ziemlich bedeutende Schloß Leko, das auf einem Fels liegt und von dichten Waldungen umgeben ist. – Weiterhin erhebt sich der Berg, oder besser gesagt, Hügel Kinnekulle[ [7], auf welchen jeder Reisende aufmerksam gemacht wird. Er soll nämlich eine ausgedehnte Aussicht, sowohl auf den See, als auch tief hinein in das Land gewähren, da sich dem Auge nirgends ein hoher Punkt störend dazwischen stellt. – In dem Innern dieses Berges soll sich eine sehr merkwürdige Grotte befinden. – Leider kann man, seit man auf Dampfschiffen fährt, all diese Merkwürdigkeiten nicht mehr besehen. Man fliegt überall schnell vorüber, und wird bald die größte Reise mit einigen Worten beschreiben können.

Zu Bromoe befindet sich eine bedeutende Glasfabrik, die ausschließend Fensterscheiben verfertiget. Wir hielten kurze Zeit an, und nahmen eine tüchtige Ladung dieses Artikels ein.

Die Fabriksgebäude liegen, nebst einigen andern Häuschen, recht artig auf kleinen Höhen zwischen reizenden Waldpartieen.

Bei Sjotorp tritt man wieder durch mehrere Schleußen aus dem See in den Fluß. – Die Fahrt über den Wennersee rechnet man gewöhnlich auf zehn bis eilf Stunden.