Der Fluß schlängelt sich anfänglich häufig durch Waldungen, und man kann, während sich das Schiff mühsam in den Schleußen fortarbeitet, einen Theil des Weges recht angenehm im Schatten zu Fuße machen. Später öffnen sich weite Thäler, die jedoch durchaus keine schönen Bilder gewähren.
7. September.
Zeitlich des Morgens durchschifften wir den niedlichen Bikensoe, der sich, wie überhaupt alle schwedischen Seen, durch seinen Reichthum an Inselchen, Felsen und Klippen auszeichnet. Häufig sind diese Inselchen mit Bäumen überwachsen, was sich dann um so herrlicher macht.
Dieser See liegt 306 Fuß höher als die Nordsee; hier hat man den höchsten Punkt erreicht, und nun beginnen die Schleußen in die Tiefe zu führen. – Die Zahl aller Schleußen, durch welche man sowohl hinauf als hinab getragen wird, beträgt 72.
Ein kurzer Kanal führt in den Bottensee, welcher anfänglich einen weniger durch Inseln unterbrochenen Wasserspiegel zeigt. Die Fahrt durch diesen kleinen See ist überaus lieblich; die Ufer bieten schöne Hügelreihen, wechselnd mit Wäldern, Wiesen und Feldern. – Ihm folgt der bedeutend größere Wettersee, dessen Eingang durch die schöne Festung Karlsborg leicht vertheidigt werden kann. – Dieser See hat zwei ganz besondere Eigenheiten: die eine besteht in der außerordentlichen Reinheit und Klarheit des Wassers, die andere darin, daß sehr viele Stürme auf demselben herrschen. Man sagt, daß es da manchmal woge und brause, selbst, wenn es in der Umgegend heiter und windstill sei. Oft soll der Sturm den Schiffer mit solcher Eile und Heftigkeit überfallen, daß ihm das Entrinnen unmöglich wird. Gar viel Sagen und Märchen erzählt man sich von den tückischen Unthaten dieses Sees.
Wir blieben, Gottlob, verschont, und durchschnitten seine Flächen unter Scherz und Freude. – An den Ufern dieses See's liegt das schöne Fräuleinstift Wadstenä und der berühmte Berg Omberg, an dessen Fuße eine Schlacht statt hatte.
Der nun folgende Kanal ist sehr kurz und leitet durch liebliche Waldungen in den kleinen See Norrbyson. Man legt diese Strecke gewöhnlich zu Fuß zurück, um das einfache Grabmal des Grafen Platen zu besuchen, der die Plane zu den Schleußen und Kanälen, zu diesem ewig dauernden Riesenwerke geliefert hat. – Das Grabmal ist mit einem Eisengitter umfaßt; die Gruft deckt eine schöne Marmorplatte, auf welcher eine einfache Inschrift in schwedischer Sprache angebracht ist, die seinen Namen, Todestag u. s. w. anzeigt. Dem Monumente beinahe gegenüber, auf der andern Seite des Kanals, liegt das Städtchen Motala, mit großen Eisenwaaren-Fabriken, in deren schönen Gebäuden sich besonders die ungeheuren großen Arbeitssäle auszeichnen.
Von dem Norrbysee in den Roxersee führen 15 Schleußen, durch welche das Schiff 116 Fuß hinabgelassen wird. – Dieser Kanal schlängelt sich recht angenehm durch Waldungen, Wiesen und Felder, die von hübschen Landstraßen durchzogen, mit niedlichen Häuschen und größeren Gebäuden besetzt sind. – Einige Kirchthürme verrathen die Nähe des Oertchens Norrby, das, halb versteckt hinter kleinen Waldpartieen, den Blicken des Vorübereilenden bald erscheint, bald wieder entschwindet. Wenn die Sonne auf das Wasser in diesem Kanale schimmert, hat es eine so schöne, durchsichtige, erbsengrüne Farbe, wie der reinste Chrisolith.
Einen überraschenden Anblick genießt man von der Höhe, welche sich beinahe unmittelbar vor dem See Roxen erhebt. Plötzlich erschließt sich da ein mächtig großes Thal, das von den herrlichsten Wald- und Felspartieen und anmuthigen Hügeln durchwirkt ist, und – zu den Füßen der See, der sich sehr ausdehnt und dessen Arme weit in die Waldungen hinein greifen. – Die Abendsonne warf ihre letzten Strahlen auf ein Städtchen, das am See liegt, und glänzend leuchteten die neuüberfirnißten Ziegeldachungen zu uns herauf.
Während sich das Schiff durch die vielen Schleußen da hinabsenkte, besuchten wir die nahe Kirche des Oertchens Vretakloster, die in äußerst schön gearbeiteten, metallenen Särgen die Gerippe mehrerer Könige enthält.