Als diese wunderbare Scene geendet hatte, geleitete mich der Bauer an das Becken. Wir konnten uns nun sowohl diesem, als dem Kessel ohne Gefahr nähern, und beide nach Gefallen betrachten und umgehen. – Zu besorgen war nichts mehr. Das Wasser war spurlos aus dem Becken verschwunden; wir stiegen hinein und naheten uns unmittelbar dem Kessel, in welchem das Wasser ebenfalls 7 bis 8 Fuß tief gesunken war, wo es heftig kochte und wallte.
Ich löste mittelst eines Hammers einige Krusten sowohl von dem Innern des Beckens, als auch des Kessels; die ersteren waren weiß, letztere braun. Auch das Wasser kostete ich; es hatte keinen unangenehmen Geschmack, und kann nur wenig Schwefeltheile enthalten, da auch der Dampf nicht darnach riecht.
Ich ging nun jede halbe Stunde zu dem Becken des Geisers, um zu beobachten, wie viel Zeit zur Füllung des Kessels und Beckens nöthig sei. – Nach der ersten Stunde konnte ich noch in das Becken steigen; als ich aber nach einer halben Stunde später kam, war der Kessel bereits gefüllt, und fing gerade an überzulaufen. So lange das Wasser nur den Kessel füllte, kochte es heftig auf, je mehr es aber in das Becken überfloß, desto weniger kochte es, und hörte beinahe ganz auf, nachdem das Becken angefüllt war; es warf nur hie und da kleine Bläschen.
Nach dem Verlaufe von ferneren zwei Stunden – es war gerade 12 Uhr Mittags – war das Becken beinah bis an den Rand gefüllt, und während ich noch an selbem stand, fing das Wasser wieder an, sich heftig aufzuwerfen, und die dumpfen Töne von sich zu geben. Ich hatte kaum Zeit zurück zu springen, denn allsogleich erhoben sich die Strahlen. Sie stiegen dießmal während des Brüllens empor, und waren noch wasserreicher, als jene der ersten Explosion, was wohl daher kommen mochte, weil sie nicht so hoch sprangen, und daher dichter beisammen blieben. – Ihre Höhe mochte bei 40 und 50 Fuß betragen. Kessel und Becken blieben dießmal nach dem Ausbruche beinahe eben so gefüllt, wie vorher.
Somit hatte ich nun zwei Explosionen des Geisers gesehen, und fühlte mich bereits reichlich entschädigt für meine unermüdete Geduld und Wachsamkeit. Aber ich sollte noch glücklicher sein, und seine Ausbrüche in allen Formen und Gestalten kennen lernen; – er sprang abermals um 7 Uhr Abends, stieg höher als Mittags, und führte dießmal einige Steine mit, die in der weiß schäumenden Wassersäule gerade wie schwarze Flecken und Punkte aussahen. – Und wieder ein anderes Schauspiel gewährte er in der dritten Nacht. – Da erhob sich das Wasser in furchtbaren, schnell auf einander folgenden Wallungen, ohne Strahlen zu werfen; das Becken floß stark über, und es erzeugte sich eine solche Masse von Dampf, wie ich noch nie gesehen. Zufällig trieb ihn der Wind gerade der Gegend zu, wo ich stand, und da hüllte er mich so dicht ein, daß ich kaum einige Fuß weit sehen konnte. Ich fühlte jedoch weder einen Geruch, noch eine Beängstigung, sondern nur einen geringen Grad von Wärme.
28. Juni.
Da ich nun den Geiser schon so oft und auch so schön hatte spielen gesehen, bestellte ich meine Pferde auf heute 9 Uhr Früh zur Weiterreise. Ich eilte um so mehr aus der Nähe des Geisers, da ein holländischer Prinz erwartet wurde, der erst kürzlich mit großem Gefolge in einer schönen Kriegsfregatte zu Reikjavik angekommen war.
Noch hatte ich das Glück, vor meiner Abreise, um halb neun Uhr, abermals einen Ausbruch zu sehen, und zwar einen beinah eben so schönen, als der erste war. – Auch dießmal war das Becken ganz und der Kessel bis auf eine Tiefe von 6 bis 7 Fuß geleert. Ich konnte daher nochmals in das Becken treten, und dem Geiser unmittelbar am Kessel selbst »Lebewohl« sagen, was ich natürlich auch that.
Ich war nun drei Nächte und zwei Tage beständig in unmittelbarer Nähe des Geisers gewesen, und hatte im Ganzen fünf Ausbrüche erlebt, von welchen zwei zu den bedeutendsten gehörten; doch kann ich auf mein Wort versichern, nicht Alles so gefunden zu haben, wie ich es mir nach den vernommenen Erzählungen und Beschreibungen vorstellte. – Ich hörte nie ein größeres Geräusch, als ich es bereits anfänglich beschrieb, und fühlte von einem Erzittern der Erde nie das Geringste, obwohl ich stets mit gespanntester Aufmerksamkeit auf Alles achtete und mein Ohr sogar während einer Explosion an den Boden hielt.
Es ist wirklich merkwürdig, wie manche Leute Alles nachreden, was sie von Andern hören, und wie Andere wieder in ihrer erhitzten Fantasie selbst Sachen zu sehen, zu hören und zu empfinden sich einbilden, die gar nicht vorhanden sind, – – und wie endlich noch Andere geradezu die unverschämtesten Lügen erzählen. – So traf ich z. B. in Reikjavik im Hause des Apothekers Möller einen Marine-Offizier von der französischen Fregatte, welcher behauptete, »er sei bis unmittelbar an den Krater des Vesuv's geritten.« – Er dachte wohl nicht in Reikjavik mit Jemanden zusammen zu treffen, der ebenfalls am Krater des Vesuv's gewesen war. – Nichts ärgert mich mehr als dergleichen Lügen und Prahlereien. Ich konnte mich daher nicht enthalten zu fragen, wie er das angestellt habe; – ich sei auch dort gewesen, scheue gewiß so wenig eine Gefahr wie er, und hätte mich doch bequemen müssen, am Kogel des Vesuv's von dem Esel zu steigen, und mich von meinen Füßen hinauf tragen zu lassen. – Er schien nun freilich ein wenig verlegen und meinte, »er habe sich versprochen, er habe nur sagen wollen, bis beinahe an den Krater«; – doch wette ich darauf daß er diese Lüge noch oft erzählen, und sie endlich selbst glauben wird.