Bevor ich den Geiser verlasse, kann ich nicht umhin, meinen Lesern einige Kleinigkeiten zu erzählen, die mir da wiederfuhren. Ich hoffe ihre Geduld nicht allzusehr zu ermüden. – Von einem so wenig bekannten Lande interessirt oft das Geringste, und aus unbedeutenden Vorfällen kann man oft am Besten auf die eigenthümlichen Eigenschaften der Bewohner schließen.
Von meinem betrunkenen Cicerone habe ich bereits erzählt; und heute noch ist es mir ein Räthsel, wie er mich in einem solchem Zustande so sicher umherführen konnte; – wäre er nicht der einzige zu haben gewesen, ich hätte mich ihm gewiß nicht anvertraut.
Als er das Zelt errichtet hatte, ließ ich mir einen Kotzen und einen Polster bringen, um der Feuchtigkeit des Bodens weniger ausgesetzt zu sein, – prosit die Mahlzeit – – es sollte mir noch schlimmer ergehen. – Aus dem Polster kroch ein ganz kleines Würmchen, in welchem ich Anfangs eine Bereicherung meiner Sammlung gefunden zu haben vermeinte, welches ich aber bei genauerer Besichtigung zu meinem Entsetzen für eine Made erkannte. – Mehrere dieser lieblichen Thierchen folgten noch nach. – Natürlich warf ich Polster und Kotzen allsogleich wieder zum Zelte hinaus.
Reinlichkeit ist bei den Isländern durchaus nicht zu finden; Alle sind im höchsten Grade ekelhaft. So zog z. B. ein zwölfjähriges Mädchen, das mir immer Schmetten (Obers) und frisches Wasser brachte, in meiner Gegenwart den Stöpsel aus der Flasche, um das daran klebende Obers mit der Zunge abzulecken, und wollte solchen dann wieder auf die Flasche thun.
Oft saß sie halbe Stunden lang an meiner Seite; da geschah es denn mitunter, daß sie vom Ungeziefer auf dem Kopfe belästiget wurde; sie suchte und fing es, sah es ganz phlegmatisch an, und wollte es gleich nebenan auf den Boden werfen. – Da ziehe ich in diesem Punkte noch die Grönländer vor, die speisen es doch sogleich auf, und man ist wenigstens vor einer Erbschaft gesichert. – Ueberhaupt haben die Isländer durchaus keinen Begriff und kein Gefühl des Schicklichen. Wollte ich alle Ekelhaftigkeiten, die ich sah, erzählen, ich könnte noch manche Seite damit füllen.
Nie werde ich begreifen können, daß dieses Volk einst durch Wohlhabenheit, durch Tapferkeit und Bildung ausgezeichnet war. – Ich setze z. B. im Schicklichkeits-Gefühle die Isländer den Beduinen und Arabern weit nach.
Meine heutige Reise ging nur sechs Meilen weit, nach Skalholt.
Die erste Meile gingen wir denselben Weg zurück, den wir gekommen waren; dann wendeten wir uns links und durchwanderten das ganze schöne und lange Thal, in welchem der Geiser liegt. – Meilenweit sahen wir von dieser Seite noch seine Dampfsäulen aufsteigen. – Die Wege waren nur gut, wo sie sich an den Seiten der Hügel und Berge fortzogen; in den Ebenen waren sie meistens sumpfig und voll Wasser. Wir verloren oft jede Spur des Weges, und ritten nur der Gegend zu, dabei mußten wir bei jedem Schritte befürchten einzusinken, so weich und nachgiebig war der Boden.
Ich fand die Trägheit der isländischen Bauern wirklich unverzeihlich. Alle Thäler, die wir durchzogen, waren eigentlich große, reich mit Gras bewachsene Sümpfe. Träten nun die einzelnen Gemeinden zusammen, um Gräben zu ziehen und sie trocken zu legen, so würden sie die schönsten Wiesen erhalten. Dieß beweisen die vielen Abhänge, wo das Wasser abläuft; – da herrscht üppiger Graswuchs, da gedeihen schöne Wiesenblumen und Kräuter, ja selbst wilder Klee. – Meist stehen auf diesen Abhängen auch einige Kothen.
Bevor wir noch das Oertchen Thorfastädir erreichten, erblickten wir schon den Hekla, umgeben von schönen Jokuln.