»Kriegen wir nicht wenigstens das Nondescript zu sehen?«
Wladislav schwankte ein wenig. Dann aber sprach er sanft: »Nein, das arme Vieh ist gar zu schauderhaft – Sie würden ihn gewiß im Traume sehen.«
Hier kam man, ihm den Wagen anzusagen. Er erhob sich etwas widerstrebend. »Aus dem warmen Salon in die feuchte Nacht,« sagte er sich in der Erwartung schüttelnd.
»Es ist erst sieben, also noch Abend,« tröstete ich ihn.
»Und gestern schien der Mond, deßwegen ist's heute nicht finster,« setzte er mürrisch hinzu. »Sie sind –«
»Ich bin Ihre Freundin, die Ihnen eine glückliche Reise wünscht, eine frohe Heimkehr –«
»Und ein langes Leben und eine selige Urständ,« fiel er mir in die Rede. »Ich weiß das Alles schon – bleiben Sie mir gesund, oder vielmehr werden Sie Sich selbst gesund – es ist ein klägliches Ding, immer so krank zu sein.«
Damit reichte er mir ingrimmig die Hand, schüttelte die meine so derb, daß ich schrie, und ging, von Otto begleitet, nach der Thür. Dort kehrte er plötzlich wieder um, kam zurück an den Tisch, sah mich scharf an und fragte: »Wie finden Sie denn nun eigentlich meine Novelle, d. h. meine wahre Geschichte?« – »Barock und formlos,« antwortete ich, »auch mit Nachlässigkeiten des Styles und Wiederholungen von Worten reichlich gesegnet, aber dabei besonders genug und deßwegen –« – »Schon gut!« Damit hemmte er meine Kritik, flüsterte mir dann vertraulich zu: »Ich will es Ihnen nur sagen: gerade so finde ich sie auch;« und ohne mir noch ein Mal Adieu zu bieten, schritt er nun wirklich aus der Thür.
Hofbuchdruckerei der Gebr. Jänecke in Hannover.