Ihre in Unwissenheit begründete Eintheilung der Entzündungen im Wochenbette, in solche, welche nicht Puerperal-Fieber sind, und in solche, welche Puerperal-Fieber sind, ist erwähnt. Ich habe aber in meiner Schrift bewiesen, daß Ihre Entzündungen, welche nicht Puerperal-Fieber sind, gerade so genuines Puerperal-Fieber sind, wie Ihre Hyperinose, Ihre Pyaemie und Ihre Blut-Dissolution, weil auch die Entzündungen, welche nach Ihnen nicht Puerperal-Fieber sind, so wie die Hyperinose, die Pyaemie und die Blut-Dissolution durch Resorbtion eines zersetzten Stoffes entstehen, und daß die Entzündungen, welche nicht Puerperal-Fieber sein sollen, in Folge der Resorbtion eines zersetzten Stoffes entstehen, ist dadurch bewiesen, daß auch diese Entzündungen durch Chlorwaschungen der Hände verhüthet werden können.
Während des Herrschens der Pseudo-Epidemie wurden Unregelmäßigkeiten in der Wehenthätigkeit beobachtet, Wehenschwäche, spastische Contractionen, allgemeiner Krampf des Uterus, Blutungen in der Nachgeburt traten öfters auf.
Natürlich, wenn die Blutentmischung in Folge der Resorbtion des zersetzten Stoffes eintritt zur Zeit, wo die Geburt noch nicht vollendet ist, so wirkt das entmischte Blut paralisirend auf den Uterus, und dadurch ist die Ursache für Wehenschwäche, für Krampfwehen, für Blutungen gegeben.
Auch daß die Neugebornen an einer, der Mutter ähnlichen Blutentmischung starben, wurde beobachtet, und wie denn nicht; ist das Kind noch mittelst der Placenta in Verbindung, wenn die Blutentmischung bei der Mutter in Folge der Resorbtion des zersetzten Stoffes eintritt, so theilt die Mutter die Blutentmischung dem Kinde mit, und Mutter und Kind starben an derselben Blutentmischung.
Ueber diesen Punkt können Sie sich Herr Hofrath in meiner Schrift, Seite 40 und Seite 68 Belehrung holen.
Sie sehen Herr Hofrath, wie ungezwungen man sich alle beim Kindbettfieber zu beobachtenden Erscheinungen erklären kann, wenn man die einzige und wahre Ursache des Kindbettfiebers kennt. Während Sie das Unbekannte wieder mit nicht gekannten atmosphärischen Einflüssen erklären; aber das ist nicht das größte Verdienst meiner Lehre.
Das größte Verdienst meiner Lehre ist, daß selbe die sichere Verhüthung dieses Unglücks lehrt. Daß selbe dem Arzte eine bewußte, vorbeugende Thätigkeit vorschreibt. Während ihre Lehre den Arzt zum Türken stempelt, welcher in fatalistischer unthätiger Resignation das Unglück über seine Wöchnerinen ergehen läßt.
Zum Schluße wird die Frage nach der Ursache dieser Pseudo-Epidemie aufgeworfen; ich will die Antwort, die gegeben wird, wörtlich wiedergeben.
»Frägt man nun nach dem Grund dieser allerdings heftigen Epidemie (von 30 Erkrankten starben 9), so ist kein anderer zu finden, als gewisse atmosphärische epidemische Einflüsse, die freilich nicht näher zu bestimmen sind. Von all den Momenten, die als aetiologische für das Puerperal-Fieber angeführt werden, ist keiner, außer dem eben erwähnten hier in Anwendung zu bringen.«
»Man könnte dagegen einwenden: In der Anstalt selbst sei durch hier erzeugte miasmatische Einflüsse der Grund zu suchen, allein, dem ist nicht so; denn einmal ist nicht leicht anzunehmen, daß in einer so neuen, und mit den besten Einrichtungen versehenen, keineswegs überfüllten Anstalt ein Miasma aufkommen könne, und dann, auch das erste zugegeben, kamen während derselben Zeit nicht allein in Würzburg selbst, sondern auch in dessen Umgebung puerperale Erkrankungen vor, die nicht, was noch besonders hervorzuheben ist, von demselben Arzte behandelt wurden. Ein weiterer Grund für die oben ausgesprochene Ansicht mag auch der sein, daß zu derselben Zeit außerhalb der Anstalt unverhältnißmäßig viele Blutungen während des Geburtsaktes, so wie auch mehrere tödtlich endende puerperale Erkrankungen zur Behandlung kamen. Es dürfte also wohl nicht zu gewagt erscheinen, wenn man zur Erklärung aller dieser Erscheinungen seine Zuflucht zu dem Einfluße des gerade herrschenden genius epidemicus nimmt.«