»Ein zweiter Grund, der wohl oft auf das bösartige Auftreten von Puerperal-Fiebern in Gebärhäusern von großem Einfluß ist, fällt hier auch weg, der peinliche Gemüthsaffekt nämlich, den die vor so vielen männlichen Individuen vor sich gehende Geburt nothwendig auf die Kreißende haben muß. Einmal wurden während der Epidemie keine Studirenden zu den Geburten zugelassen, und dann sind nicht nur auf der dritten Abtheilung Erkrankungen vorgekommen, sondern auch auf der zweiten und ersten Classe, wohin, außer im Falle einer Erkrankung, kein männliches Individuum kömmt. Auch die Individualität zeigte keinen Einfluß; schwächliche und starke, gesund aussehende Wöchnerinen wurden befallen; gerade bei den lethal endenden Fällen waren die Frauen meist stark und kräftig, während die schwächlichsten mit leichten Erkrankungen davon kamen.«
Ich beantworte die Frage nach dem Grunde dieser Erkrankungs- und Sterbefälle dahin, daß diesen Individuen zersetzte thierisch-organische Stoffe auf ein oder die andere Weise von Außen eingebracht wurden.
Daß diese Erkrankungs- und Sterbefälle nicht miasmatischen Ursprungs in Ihrem Sinne seien, glaube ich auch; denn ein Puerperal-Miasma in Ihrem Sinne existirt nicht, aber auch das Puerperal-Miasma in meinem Sinne hat diese Erkrankungen nicht hervorgebracht, weil das Puerperal-Miasma in meinem Sinne nur in der Nachgeburtsperiode und im Wochenbett inficiren kann; die 30 Erkrankungen aber sind Folgen einer Infection von Außen, welche vor der Austreibungsperiode geschah, was die früher erwähnten Anomalien während und nach der Geburt, und der Umstand beweiset, daß die Kinder an einer der Mutter ähnlichen Blutentmischung ebenfalls starben.
Meine Ansicht über das Puerperal-Miasma ist folgende: werden die physiologischen Exhalationen der Wöchnerinen und der Säuglinge nicht durch Ventilationen entfernt, so gehen selbe in der Luft suspendirt, eine Zersetzung ein, oder werden fertige zersetzte Stoffe von einer oder mehreren kranken Wöchnerinen exhalirt, so können diese in der Luft suspendirt gehaltenen zersetzten Stoffe nur von der inneren Fläche des Uterus durch Resorbtion aufgenommen werden; das Puerperal-Miasma in diesem Sinne kann daher nur in der Nachgeburtsperiode und im Wochenbette, wo die innere Fläche des Uterus, der mit zersetzten Stoffen geschwängerten Luft zugängig ist, Erkrankungen hervorrufen. Bei Wöchnerinen, welche in der Nachgeburtsperiode oder im Wochenbette durch in der Luft schwebende zersetzte Stoffe erkrankten, biethet die vorausgegangene Geburt nicht die oben erwähnten Anomalien dar, auch die Kinder solcher sterben nicht an Blutentmischung, aus dem einfachen Grunde, weil die Blutentmischung bei der Erkrankten zur Zeit eintritt, wo die Geburt schon vollendet, wo das Kind schon geboren.
Um zu beweisen, daß die Erkrankungen in der Würzburger Entbindungs-Anstalt wirklich epidemischen Ursprungs waren, wird erzählt, daß während derselben Zeit in Würzburg selbst, und in dessen Umgebung unverhältnißmäßig viele Blutungen während des Geburtsaktes, so wie auch mehrere tödtlich endende puerperale Erkrankungen zur Behandlung kamen.
Herr Hofrath setzen also voraus, daß die Hebammen und die praktischen Aerzte, welche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, besser wissen, als Sie selbst Herr Hofrath, wie das Puerperal-Fieber zu verhüthen sei, Sie setzen voraus, daß die Hebammen und praktischen Aerzte keine Infectionen machen, wenn daher dennoch unter den Wöchnerinen, welche diesen Individuen anvertraut sind, Puerperal-Fieber herrscht, so kann das kein anderes als ein epidemisches sein, und wenn das Puerperal-Fieber in Würzburg und in dessen Umgebung epidemisch ist, so ist auch das Puerperal-Fieber in der Würzburger Entbindungs-Anstalt epidemisch.
Ich gestehe, daß ich diese Ansicht nicht theile, ich glaube vielmehr, daß die Hebammen und die praktischen Aerzte, welche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, gerade so colossale Ignoranten über die Entstehung und Verhüthung des Kindbettfiebers sind, als Sie selbst Herr Hofrath, und daß demnach die Puerperal-Fieberfälle in Würzburg und dessen Umgebung verhüthbare Infections-Fälle von Außen seien.
Da es gewiß ist, daß die Hebammen und die praktischen Aerzte, welche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, nicht in Pest gelernt haben, wie das Puerperal-Fieber entsteht, und wie es verhüthet werden könne, so stelle ich die Frage, wo haben Selbe es gelernt? Bei Ihnen doch nicht Herr Hofrath, bei Kiwisch auch nicht; nennen Sie mir Herr Hofrath den Professor der Geburtshilfe, der jetzt nach 14 Jahren meine Lehre vorträgt, damit ich mich bei diesem Unicum bedanken könne.
Sie sehen Herr Hofrath, daß ich Ihrer Lehre die Stütze entzogen, welche Sie in den Mordthaten gefunden haben, welche die Hebammen und Aerzte in Würzburg und dessen Umgebung aus Unwissenheit begehen.
Es wird gesagt, daß es besonders hervorgehoben werden müsse, daß die Erkrankungen in Würzburg und in dessen Umgebung nicht der Praxis eines Arztes angehörten; natürlich, es ist ja nicht blos ein Arzt, sondern alle Aerzte, die dort praktiziren, sind Ignoranten in Bezug der Verhüthung des Kindbettfiebers, und an dieser Ignoranz sind die Professoren der Geburtshilfe schuld, bei denen die praktizirenden Aerzte Geburtshilfe gelernt. Und diesbezüglich haben Sie Herr Hofrath ein bedeutendes Contingent aus Unwissenheit Mordender in Deutschland versendet.