Daß manchmal in der Praxis eines Arztes oder einer Hebamme, besonders viele Puerperal-Erkrankungen vorkommen, ist darin begründet, daß ein solcher Arzt oder Hebamme eine längere Zeit einen Kranken oder eine Kranke behandeln, deren Krankheiten zersetzte Stoffe erzeugen, wodurch die Kreißenden, welche während dieser Zeit untersucht werden, inficirt werden.
Daß peinliche Gemüths-Affecte kein ätiologisches Moment des Kindbettfiebers seien, habe ich in meiner Schrift von Seite 374, Zeile 3 von unten bis Seite 389 bewiesen.
Wenn Sie daher sagen lassen, daß Gemüthsaffecte ihre Erkrankungen nicht hervorgerufen haben, weil keine Studierenden während der Pseudo-Epidemie zu den Geburten zugelassen wurden, so haben Sie eigentlich Herr Hofrath sagen wollen, daß diese Erkrankungen nicht in Folge einer Infection von Außen entstanden sind, weil ja die Schüler nicht untersucht haben. Für so gewissenlos halte ich Sie Herr Hofrath denn doch nicht, um vorauszusehen, daß diese Geburten ohne alle Untersuchung vor sich gegangen, vielleicht haben Herr Hofrath selbst oder Ihr Assistent diese Kreißenden untersucht, um zu bestimmen, ob eine normale oder abnorme Geburt zu erwarten stehe; es ist um so wahrscheinlicher, daß während dieser Pseudo-Epidemie untersucht wurde, weil viermal mit der Zange operirt wurde, und einmal wurde eine Wendung gemacht; Herr Hofrath haben vergessen, daß zwei ihrer Zimmer gynäkologischen Kranken gewidmet sind. In einer gynäkologischen Abtheilung gibt es oft Kranke, deren Krankheiten zersetzte Stoffe erzeugen, und es ist nicht nöthig, daß Studierende untersuchen, um eine Pseudo-Epidemie hervorzurufen, dazu genügt der Herr Hofrath und der Assistent, welcher in der gynäkologischen Abtheilung und in dem Kreißezimmer untersucht.
Und wenn Sie Herr Hofrath auch in dem Umstande, daß nicht blos auf der dritten Abtheilung Erkrankungen vorgekommen sind, sondern auch auf der zweiten und ersten, wohin außer im Falle einer Erkrankung, kein männliches Individuum kömmt, auch einen Grund finden, die Erkrankungen epidemischen Ursprungs zu halten, so theile ich diese Ansicht nicht, ich glaube vielmehr, daß die Hebamme, welche dort die Gebärenden untersucht, bei dem Würzburger Publikum Vertrauen besitzt, weil selbe bei Ihnen dient, daß selbe daher Privatpraxis ausübt, und da selbe gewiß nicht mehr weiß, als Sie Herr Hofrath, wie man das Puerperal-Fieber verhüthet, so wird selbe, wenn sie mit Kranken, welche zersetzte Stoffe erzeugen, in Berührung kommt, inficiren.
Sie sehen daher Herr Hofrath, daß das für die Wöchnerinen der zweiten und ersten Classe kein Schutz gegen Puerperal-Fieber ist, daß dorthin keine männlichen Individuen kommen; eine unwissende Hebamme ist allein gefährlich genug.
Meine Lehre basirt unter anderem auch darauf, daß es mir in Folge meiner Lehre gelungen ist, von Mitte Mai 1847 bis 25. Mai 1861 an drei Anstalten, welche früher alljährlich von furchtbaren Pseudo-Kindbettfieber-Epidemien heimgesucht waren, die Sterblichkeit in dem Grade zu beschränken, daß die sich ereignete Sterblichkeit keine Epidemie genannt werden kann, und wenn ja manchmal die Sterblichkeit größer war, als selbe in meinen Anstalten zu sein pflegte, so konnte immer nachgewiesen werden, daß trotz meinen Maßregeln den Individuen zersetzte Stoffe von Außen eingebracht wurden, über welche Gegenstände Sie sich Herr Hofrath in meiner Schrift, Seite 111, Zeile 3 von unten Belehrung suchen können.
Meine Lehre basirt darauf, daß Dr. Bednar die Sepsis des Blutes bei Neugebornen im Wiener Findelhause nach Einführung der Chlorwaschungen seltener werden sah (Seite 69, Zeile 8 von oben).
Meine Lehre basirt darauf, daß an der ersten Geburtsklinik zu Wien, obwohl, wie wir im Briefe an Prof. Spaeth nachgewiesen, dort in 10 Jahren 1083 verhüthbare Infections-Fälle von Außen vorgekommen sind, dennoch in eben den 10 Jahren 2982 Mütter gerettet wurden, und die Kinder, welche von den 2982 Müttern inficirt ebenfalls gestorben wären, weil in Folge meiner Lehre, obwohl immer nur Gegner von mir dort wirkten, dennoch die Sterblichkeit auf ein Drittel der früheren Sterblichkeit herabgedrückt wurde; gewiß ohne meiner Lehre würde sich die Sterblichkeit in dem Grade fortgesetzt haben, in welchem sich selbe während den sechs Jahren, wo die erste Klinik Klinik für die Aerzte war, ohne Chlorwaschungen, ereignete, es wären mithin in diesen 10 Jahren nicht 1491 sondern 4473 Wöchnerinen gestorben.
Meine Lehre basirt darauf, daß Michaelis schmerzlichen Angedenkens, meine Lehre im Gebärhause zu Kiel bestätigt gefunden.
Meine Lehre basirt darauf, daß der Gesundheitszustand der Wöchnerinen im Kopenhagener Gebärhause in Folge meiner Lehre ein günstiger ist, während er früher so ungünstig war, daß die Existenz des Gebärhauses, wie Michaelis uns erzählt, in Frage gestellt war, obwohl Prof. Levy nicht meiner Lehre, sondern andern, nicht stichhältigen Gründen, wie wir in unserer Schrift nachgewiesen, die Verbesserung des Gesundheitszustandes zuschreibt.