Ihre Lehre Herr Hofrath basirt auf den Leichen, aus Unwissenheit ermordeter Wöchnerinen, und nachdem ich den unerschütterlichen Entschluß gefaßt habe, dem Morden, so weit es in meiner Macht liegt, ein Ende zu machen, so richte ich an Sie, Herr Hofrath, folgende Aufforderung:

Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder halten Sie meine Lehre für falsch, oder Sie halten meine Lehre für wahr; ein drittes gibt es nicht.

Halten Sie meine Lehre für falsch, so fordere ich Sie hiermit auf, mir die Gründe mitzutheilen, warum Sie meine Lehre für falsch halten.

Ich habe zwar in meiner Schrift über Kindbett-Fieber 103 Druckseiten verwendet, blos um alle ihre Irrthümer und Täuschungen, von welchen Sie in Bezug auf das Kindbettfieber gefangen gehalten werden, zu widerlegen; sollten Ihnen meine Gründe nicht genügen, oder haben Sie neue Zweifel, so fordere ich Sie hiemit auf, mir selbe öffentlich mitzutheilen; ich werde Ihnen öffentlich die nöthige Belehrung ertheilen, weil es außer Ihnen noch Viele gibt, die einer Belehrung in Betreff des Kindbettfiebers benöthigen. Halten Sie meine Lehre für wahr, so fordere ich Sie hiermit auf, das öffentlich, ohne Rückhalt zu erklären, nicht um mir eine Genugthuung zu verschaffen, sondern um Ihre Schüler und Schülerinen, die Ihnen außerhalb des Gebärhauses die Leichen zur Bestätigung Ihrer Lehre liefern, der Wahrheit zuzuführen. Sollten Sie aber, Herr Hofrath, ohne meine Lehre widerlegt zu haben, fortfahren, für die Lehre des epidemischen Kindbettfiebers zu schreiben, und schreiben zu lassen. Sollten Sie aber, Herr Hofrath, ohne meine Lehre widerlegt zu haben, fortfahren, Ihre Schüler und Schülerinen in der Lehre des epidemischen Kindbettfiebers zu erziehen, so erkläre ich Sie vor Gott und der Welt für einen Mörder, und die »Geschichte des Kindbettfiebers« würde gegen Sie nicht ungerecht sein, wenn selbe Sie, für das Verdienst der Erste gewesen zu sein, der sich meiner lebenrettenden Lehre widersetzt, als medicinischen Nero verewigen würde.

Anhang.

In der am 19. April 1861 ausgegebenen 16-ten Nummer der »Gazette Hebdomadaire,« ist der Bericht einer Sitzung, gehalten am 20. Dezemb. 1860 der Société de Médecine du département de la Seine enthalten, aus welchem Berichte zwei Dinge zu entnehmen sind, erstens daß damals neuerdings in der »Charité« eine heftige Pseudopuerperal-Fieber-Epidemie herrschte, zweitens daß die Aerzte, welche sich an der Discussion betheiligten, nicht die richtigen Ansichten über Puerperal-Fieber äußerten.

In Folge dessen fand ich mich veranlaßt, der Société de Médecine du département de la Seine, der Académie des Sciences, der Académie de Médecine, der Société médicale allemande de Paris, und der Société de chirurgie je ein Exemplar meiner Schrift zuzusenden.

Und damit meine Lehre neuerdings auch in England einer Discussion unterzogen werden möge, habe ich nach England an die Doctoren und Professoren Routh, Webster, Copeland, Simpson und Murphy mein Werk gesendet.

Fußnoten

[1] Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers von Prof. Semmelweis. Pest, Wien und Leipzig 1861.