Eine nach der andern erschienen nun die Negerinnen-Mütter mit ihren jüngsten Sprößlingen, die alle sehr nett, einige sogar mit weißen gestickten Kleidchen und bunten Schleifen herausgeputzt waren, und zwar durch die Güte des Vehmgerichts (hier darf ich sie wohl garnicht mal so nennen!), die sich zu madrinhas d. h. Patinnen dieser kleinen schwarzen Mitchristen hatten bereit finden lassen.
Was übrigens die Farbe betraf, so wunderte ich mich über die sehr wenig dunkle, ja fast weiße Haut der meisten dieser Kinder. — „Sie werden schwarz“, sagte man mir mit einem Lächeln, das halb den Neger verachtete, halb meine Unwissenheit, „nur die inneren Handflächen und die Fußsohlen bleiben weiß. Sie sagen, als Ham nach Afrika ausgewandert sei, habe er auf Befehl des Herrn mit Füßen und Handflächen das Wasser des Jordan berührt, das dann vor ihm zurückgewichen sei; von dieser Berührung seien bei ihm und seinen Nachkommen jene Stellen weiß geblieben, auch im Sonnenbrand Afrikas.“
Die Ceremonie begann, und ich war stummer Zeuge, wie diese acht plattnäsigen, wollköpfigen kleinen Scheußlichkeiten die Namen: Cäsar, Felicio, Messias(!), Illyia, Angelica, Maria Salome, Marcella und Ruth erhielten. Warum sollten sie freilich auch nicht die schönsten Namen bekommen? Sind doch diese Taufnamen, die ihnen das alte portugiesisch-italienisch-lateinisch kauderwelschende Priesterlein auf Wunsch und Wahl der Herrschaft erteilte, die einzigen, mit denen sie sich ihr Lebelang begnügen müssen. Denn wenn auch die meisten dieser Mütter verheiratet sind, so haben ja auch diese keine Familiennamen. Deshalb nehmen die freigewordenen Sklaven aus Mangel an einem solchen nach ihrer Freilassung gewöhnlich den Namen ihrer früheren Herrschaft an — — angenehm für diese, nicht wahr!!
Da ich nun aber einmal bei den Negern bin, muß ich Dir noch eine Geschichte erzählen, die hier neulich passierte.
Es war eines Abends in der vorigen Woche und draußen so gar „kühl und labend“, dass es beim warmen Thee drinnen ganz gemütlich war, als vor dem Hause plötzlich ein schüchternes Händeklatschen ertönte, das alle unsre Hunde in Bewegung setzte und auch bei uns drinnen ein allgemeines Aufhorchen zur Folge hatte. Das Händeklatschen ersetzt hier nämlich die Hausglocke, und wenn man in ein Haus einzutreten wünscht oder eintritt, besonders auf dem Lande, muß man sich draußen oder im Flur auf diese Weise bemerkbar machen, wenn man nicht für einen Dieb gehalten werden will. Alles wunderte sich natürlich, wer so spät noch kommen könne, und Tonino wurde hinausgeschickt, um nachzuschauen. Er ging etwas ängstlich, purzelbaumte dann aber vergnügt wieder bis an die Schwelle.
„Draußen sind zwei Onkels, Herr“, meldete er. Die älteren Schwarzen werden nämlich von den jüngeren tio, Onkel, und tia, Tante, genannt, auch wenn sie einander garnicht kennen, und ich finde, das darin ausgesprochene Verwandtschaftsgefühl dieser Paria hat etwas Rührendes; nicht wahr?
Zwei Neger? Es war kaum anzunehmen, daß ein Nachbar noch so spät eine Botschaft sende, und was konnten sie sonst wollen! Dr. Rameiro ging hinaus und kam nach einer Weile zurück, sein sonst so joviales Gesicht ganz verdüstert!
„Nun?“ riefen wir alle.
„Zwei unglückliche Schwarze“, sagte er, „die mich um Jesu willen bitten, sie zu kaufen.“
„Wo kommen sie her?“