„Sie werden heute Abend noch tüchtige Hiebe bekommen und nur um so strenger gehalten werden; derartige Streiche sind zu thöricht. Dann werde ich sehen, ob ich sie entweder selber freikaufen kann oder sie einer Abolitionisten-Gesellschaft empfehlen.“

„Wenn ihr Herr sie nun aber nicht verkaufen will?“ warf ich ein.

„Das muß er, sowie ihm ein annehmbarer Preis geboten wird.“

„Warum mögen sie sich denn nicht selbst an eine solche Gesellschaft gewandt haben?“

„Das ist ihnen zu schwer gemacht, da deren Mitglieder sehr unklug wären, sich auf den Pflanzungen sehen zu lassen, und da der Schwarze nicht schreiben kann; sie haben eben gar keine Kommunikationsmittel. Aber den meisten von ihnen ist es auch nur um eine gute Behandlung zu thun und um die Freiheit erst in zweiter Linie. Ideale haben sie nicht.“

„Das habe ich mir gedacht“, rief ich, „nach dem Wenigen, was ich habe beobachten können; denn sonst mußten ja auch selbst die Gutgehaltenen stets voll Groll und Mißmut sein.“

„Ja, und das werden Sie, ich darf wohl sagen, nie finden. Auf dieser Pflanzung werden Sie keinen aufrührerischen Schwarzen antreffen, denn ich halte streng auf ihre menschliche Behandlung und gute Versorgung. Ich habe manche, besonders Negerinnen, die sich längst hätten freikaufen können.“

„Wirklich! Womit verdienen sie sich Geld?“

„Wer darum bittet, bekommt ein Stückchen Land zum Bepflanzen, und gute Gemüse kauft man ihnen dann hier im Herrenhause gern ab, auch dürfen sie sich Hühner halten, deren Eier sie dann verkaufen, wenn ich nach der Post schicke, und dergleichen mehr. Die sonntägliche und die über die gesetzliche Stundenanzahl hinausgehende Arbeit wird ihnen bezahlt, und die Hausneger und Negerinnen erhalten oft Geldgeschenke, letztere besonders, wenn sie Ammen der Kinder sind oder waren. Unsre dicke grinsende Anna da z. B. ist eine ganz wohlhabende Erbtante; sie bleibt aber, weil sie es hier gut hat und sie die Kinder liebt. Das ideale Gut der Freiheit versteht sie nicht.“

Ich freute mich über diese Erklärung, wie man sich immer über Äußerungen freut, die eigne Gedanken und Schlüsse bestätigen. So konnte ich mir die Sache vorstellen. Daß Rohheit und tierische Grausamkeit den Sklaven gegenüber oft zu sehr traurigen Vorkommnissen führen, das konnte ich mir denken; aber anderseits, die idealen Anschauungen tiefgebildeter Menschen zu suchen bei einer Race, die durch Generationen geknechtet ist, unsre Begriffe von Freiheit bei den Männern, von Ehre bei den Frauen vorauszusetzen, das, merke ich wohl, wäre eitel dichterische Illusion.