Plinio möchte seine verbrannte linke Hand zum Vorwand machen, um mit der rechten nicht zu schreiben, und war höchlich aufgebracht, als mir das nicht ebenso sehr wie ihm einleuchtete. Ach ja, Grete, schlimm sind die Antiken, aber ich will Geduld haben; Mr. Hall meint auch, ich solle nur auszuhalten versuchen. Aber was Bormann betrifft — Du siehst selbst, Grete, daß er auf brasilianische Kinder mit republikanischer Erziehung nicht vorbereitet gewesen ist! Na, Kopf oben, er ist ja oben gewachsen!
Deine alte Ulla.
Saõ Paulo, den 28. Juni 1882.
Denke Dir, Grete, was für ein Schlag aus heiterm Himmel mich getroffen hat! Ich muß fort aus Saõ Paulo! Das ist des Schicksals Rache für meine Flucht aus dem Collegio! Nun werde ich wieder auf eine Pflanzung wandern müssen und wieder allein sein und zwischen Schlangen und Negern hausen!
Aber höre.
Ich schrieb Dir schon in meinem letzten Briefe, den Du wahrscheinlich mit diesem zusammen erhalten wirst, daß die Römlinge ganz aus Rand und Band gewesen seien in diesen Tagen des Feuersports; wie weit das aber gegangen war, wußten wir selbst nicht. Sie müssen unbedingt „Max und Moritz“ studiert haben, sie haben so viel in’s Brasilianische übertragene Ähnlichkeit mit diesen Klassikern der dummen Streiche! Was, denkst Du wohl, war ihr Hauptstreich am Sanct Johannestage? Sie waren nach der Hauptstraße gelaufen und hatten den Pferden der Trambahn Feuerwerk vor die Füße geworfen und Knallerbsen auf die Schienen gelegt und sich dabei natürlich wie die jungen Teufel amüsiert, bis sie schließlich ein Pferd zum Stürzen gebracht hatten, das denn auch richtig ein Bein gebrochen. Gestern wurden sie nun von dem Direktor der Trambahn bei ihrem Vater verklagt, dieser muß das Pferd bezahlen und hat den Ärger gratis. Dieses vergnügliche Intermezzo hat den Republikaner und Römervater aber doch so in Harnisch gebracht, daß er seine Jungen sofort zu den Mönchen zur Erziehung schicken will; Lavinia, für die allein eine Erzieherin zu halten ihm nicht lohnt, soll in ein Collegio. Arme Lavinia! Aber auch arme Ulla, die nun wieder wandern muß! Es gefiel mir hier sonst so gut in Saõ Paulo! Da kann ich wirklich mit dem Trompeter seufzen:
„All Jahr’ wächst eine andre Pflanz’
Im Garten als vorher —