Das Leben wär’ ein Narrentanz,
Wenn’s nicht so ernsthaft wär’!“
Ach Grete, ich bin mit einem Male schrecklich mutlos geworden; ich möchte immerfort weinen. Ich habe auch nichts wie Unglück! Mr. Hall, dem ich es heute Abend erzählt — ich ging zu Fräulein Meyer, weißt Du, und er begegnete mir zufällig — meinte auch ganz betroffen: „It’s too bad, yes, this is too bad!“
Fräulein Meyer glaubt eine Stelle für mich zu wissen bei den Cousinen ihrer eignen Zöglinge, aber das ist wieder auf dem Lande, und so muß ich fort aus Saõ Paulo, das ich doch so sehr liebe! Ach Grete, ich sage Dir, ich liebe Saõ Paulo schwärmerisch, ich werde unglücklich sein, wenn ich fort bin, ganz elend! Das Leben ist doch recht schwer, Grete!
Deine sehr betrübte Ulla.
Saõ Paulo, den 1. Juli 1882.
Ja, Gretel — „sie muß auf’s Land“. Aber es ist glücklicherweise nicht weit; nur zwei Stunden mit der Bahn von hier bis zur Station, zu der die Pflanzung gehört. Das tröstet mich schon einigermaßen, da ist man doch nicht ganz aus der Welt. Die Kinder, drei Mädchen, sollen auch sehr gut geartet sein, und die Mutter, Dona Maria Louisa, ist als liebenswürdig bekannt und hat eine große Vorliebe für alles Deutsche; sie selber hat bereits deutsche Erzieherinnen gehabt, und den einzigen Sohn lassen sie auch in Deutschland erziehen. Nur sagte man mir, daß ich es äußerst primitiv auf der Pflanzung finden würde, die noch ganz nach altem Landesstyl eingerichtet sein soll. Halb graut mir vor diesem „Styl“, halb bin ich aber auch neugierig darauf, das echte, brasilianische Landleben kennen zu lernen, von dem viele Hunderte, die Brasilien besuchen, nie einen Begriff bekommen. In dieser Weise sind wir Erzieherinnen im Vorteil gegen die Kaufleute und andere Europäer, von denen die wenigsten je die Küstenplätze verlassen, sondern die meisten nach zehn und zwanzig Jahren nach Europa zurückkehren, ohne das Land oder das Leben der Brasilianer im geringsten zu kennen, während wir, die wir direkt in den Familien leben, auf diese Weise ja alle Chikanen mitmachen müssen.
Nun also, auf denn nach Saõ Sebastiaõ. Variatio delectat! Ich schreibe bald, wie dieser neue Heilige sich anläßt.