Doch der Schüler zog die Hände vom Gesicht nicht fort. Der Rosch-Jeschiwo legte seinen Löffel weg und ging an den Schüler heran. Einige Zeit betrachtete er ihn mit Stolz und Liebe, dann berührte er seine Schulter:

»Man hat dir Essen gebracht!« weckte er ihn mit freundlicher Stimme.

Der Schüler nahm seine Hände langsam und unwillig vom Gesicht weg. Das Gesicht war noch blasser geworden, und die Augen brannten noch unheimlicher.

»Ich weiß, Rebbe!« antwortete er. »Doch ich werde heute nicht essen.«

»Den vierten Tag fasten?« fragte der Rosch-Jeschiwo erstaunt. »Und ohne mich?« fügte er etwas beleidigt hinzu.

»Es ist ein eigener Fasttag,« antwortete der Schüler. »Ich faste heute zur Buße …«

»Was redest du? Wie kommst du zur Buße?«

»Gewiß, Rebbe! Ich muß büßen …, weil ich vor einem Augenblick, als Ihr zu essen begannt, gegen das Gebot ›Laß dich nicht gelüsten‹ sündigte!«


In der folgenden Nacht weckte der Schüler den Lehrer. Die beiden schliefen einander gegenüber auf Bänken in der Lehrstube.