Es ist aber die höchste Zeit zum Kol Nidrej-Gebet. Darum sucht der Rabbi die Erzählung abzukürzen:

»Also kurz und gut, du hast den Mantel gefüttert und warst fertig. Was geschah dann?«

»Eine Kleinigkeit geschah: drei Felle blieben mir übrig.«

»Und die hast du eingesteckt?«

»Das ist leichter gesagt, Rabbi, als getan! Denn wenn man aus dem Schlosse kommt, steht vor dem Tore ein Wächter, und wenn dieser Verdacht hat, so durchsucht er die Kleider und zwingt sogar einen, die Stiefel auszuziehen. Und findet man bei mir, Gott behüte, die Felle, so hat der Gutsherr böse Hunde und Reitknechte …«

»Was tatest du nun?«

»Bin ich aber doch Berl der Schneider! Ich gehe in die Küche und bitte, daß man mir ein Brot schenkt.«

»Christenbrot, Berele!«

»Nicht zum Essen brauchte ich es, Rabbi! Man schenkt mir einen großen Laib. Ich gehe damit in das Zimmer, wo ich genäht habe, schneide das Brot auf, höhle die Hälften aus, rolle das Weiche, das ich herausgenommen, so lange in den Händen herum, bis es den Geruch vom Schweiß annimmt, und werfe es dem Hunde vor, der in dem Zimmer liegt. Hunde lieben Menschenschweiß. Und die drei Fuchsfelle stecke ich in den Laib und gehe. Am Tore hält man mich an: Was trägst du, Jude, unterm Arm? Ich zeige den Brotlaib her, und man läßt mich gehen. Etwas weiter beginne ich schon zu laufen. Ich gehe nicht durch die Landstraße, sondern nehme den kürzeren Feldweg.

»So gehe ich und hüpfe beinahe vor Freude: Nun werde ich zum Laubhüttenfest einen eigenen Palmenzweig haben und einen eigenen Paradiesapfel! Nichts von der Gemeinde Geborgtes … So schöne Fuchsfelle!…