»Und die Sünden des Menschen gegen seinen Nächsten nicht?«

»Nein.«

Berl der Schneider richtet sich auf und sagt laut und bestimmt:

»Also werde ich, Berl der Schneider, nur dann nachgeben und wieder in den Dienst des Schöpfers der Welt treten, wenn er mir zuliebe an diesem Jom-Kippur auch die andern Sünden verzeiht! Habe ich nicht recht, Rabbi?«

»Du hast recht!« erwidert der Rabbi. »Bleibe nur dabei – man wird dir schon nachgeben müssen …«

Und er wendet sich wieder zum Betpult, richtet den Kopf in die Höhe, lauscht hinauf und verkündet nach einer Weile:

»Du hast es durchgesetzt, Berl! Nun schnell nach Haus, hole Kittel und Gebetmantel!«

Der das Leben gibt, gibt auch wovon zu leben
Eine Geschichte von Jojchenen dem Melamed[(10)]

I

Vorrede. Ich entschuldige mich und bekenne meine Ansicht, daß es in der Welt keinen Unglauben gibt