Denn wenn wir es so betrachten, was sollen sie ohne Thora tun?
Wie ich bereits erwähnte, gab ich einmal auch in einem Dorfe Unterricht. Mein Schüler zeigte mir, wie am Ende des Sommers alle Vöglein zusammenflogen, um unser Land noch vor Wintersanfang zu verlassen … Ich sah, wie sie sich zu ganzen Heeren versammelten und davonflogen in weite Fernen …
Die kleinen Vöglein können und wollen hier nicht bei Schnee und Frost bleiben … In dieser Zeit hat hier so ein armes Vöglein keinerlei Lebensmöglichkeit … Und die Vöglein wissen es, sie fühlen es, daß der Winter naht, daß ihr Todesengel kommt …
Doch einmal sah ich, wie ein armes verkrüppeltes Vöglein mit einem gebrochenen Flügel auf der nassen, kalten Erde herumhüpfte; es piepste und konnte sich nicht vom Boden erheben, um den großen Vögeln nachzufliegen. Es war wirklich ein Jammer, zu sehen, wie das arme Vöglein keinen Platz finden konnte, wie es immer hüpfte und hüpfte, und den andern freien Vögeln, die schon davonflogen, nachsah …
Damals sagte ich mir: diesem kranken Vögelchen gleicht die Seele des Unwissenden!…
Fliegen können sie nicht, denn sie haben keine Flügel – keine Thora! Gib ihnen Thora, gib ihnen Flügel, so werden auch sie fliegen in die fernen Welten!
Man hat ihnen aber die Flügel zerbrochen, und darum hüpfen sie immer im kalten Straßenschmutz herum … Darum müssen sie schamlose Reden führen oder Karten spielen: der Reiche im Salon, der Arme in der Schenke …
Doch wollen wir zur Sache zurückkehren!
Also ich sitze und studiere. Die paar Leute, die noch im Bethause waren, sind einer nach dem andern heimgegangen. Der Schuldiener ging als letzter fort.
Was geht es mich an? Ich sehe es ja gar nicht!