Er war an beides gewöhnt: mehr als einmal träumte er auf jener Welt, daß er vom Boden Geld aufliest, ganze Berge Geld; und wenn er erwachte, war er womöglich noch ärmer als zuvor. Mehr als einmal lächelte man ihm aus Versehen zu, und als man merkte, daß es eine Verwechslung war, wandte man sich weg und spie aus …

»Ich habe schon einmal so ein Glück!« denkt er sich.

Er fürchtet die Augen aufzuheben, damit der Traum nicht verschwinde: er wird noch in irgendeinem Loche unter Schlangen und Skorpionen erwachen. Er fürchtet, auch nur ein Wort zu sagen, auch nur ein Glied zu rühren, daß man ihn nicht erkenne und zum Teufel jage …

Er zittert und hört nicht die Komplimente der Engel; er sieht nicht, wie sie ihren Reigen um ihn tanzen; er antwortet nicht auf Vater Abrahams Willkommengruß, und als man ihn vor den Himmlischen Gerichtshof bringt, sagt er nicht Guten Tag.

Er ist vor Schreck ganz außer sich!

Und sein Schreck wird noch größer, als sein Blick unwillkürlich auf den Fußboden des Verhandlungssaales fällt: nichts als Alabaster und Diamanten! »Auf solchem Fußboden stehen meine Füße!« sagt er sich ganz bestürzt. »Wer weiß, mit welchem vornehmen Herrn, mit welchem Rabbi, mit welchem göttlichen Manne sie mich verwechseln! Und wenn der Betreffende kommt, dann ist es aus mit mir!«

Vor Schreck hört er nicht einmal, wie der Gerichtspräsident verkündet: »Der Fall Bonze Schweig!« und sich dann an den Fürsprech wendet, indem er ihm die Akten übergibt: »Lies, doch mach es kurz!«

Der ganze Saal dreht sich um Bonze im Kreise herum; es rauscht ihm in den Ohren, und durch das Rauschen hindurch unterscheidet er allmählich die Stimme des himmlischen Fürsprechs, süß wie eine Geige:

»Sein Name paßte ihm, wie ein von einem genialen Schneider gefertigtes Kleid auf einen schlanken Menschenleib …«

»Was redet er da?« fragt sich Bonze, und er hört, wie eine ungeduldige Stimme den Fürsprech unterbricht: