Der Vorbeter bestürmt noch einmal den Rabbi:
»Wie ist das geschehen? Warum ist mir das geschehen?«
Und er plagt den Rabbi so lange, bis dieser ihm alles erzählt.
»Wenn so,« schreit der Vorbeter mit heiserer Stimme auf, »so werde ich mich schon rächen!« Und mit diesen Worten läuft er hinaus.
»Wie willst du dich rächen? Und an wem?« ruft ihm der Rabbi nach. Doch der Mann ist schon fort.
Das geschah an einem Dienstag; andre sagen – an einem Mittwoch. Und als am Donnerstag abend die Fischer von Opatow Fische zum Sabbat fangen wollten und ihr Netz herauszogen, so war das Netz auffallend schwer; und wie man es herauszog, lag darin der Vorbeter von Lahadam.
Er hatte sich von der Brücke ins Wasser gestürzt. Und wie er das Sterbegebet sprechen sollte, hatte er seine schöne Stimme, wie es ihm der Rabbi ganz richtig vorausgesagt hatte, wiederbekommen; denn der Satan hatte ausdrücklich bestimmt: »Bis zur Sterbestunde!« Doch als er ins Wasser sprang und sich ertränkte, hat er das Sterbegebet gar nicht gesprochen, sondern seine Stimme für später aufgehoben. Und das war seine Rache, wie ihr es gleich sehen werdet.
Wie es einem Selbstmörder geziemt, wird der Vorbeter sofort von den Teufeln gepackt und in die Hölle geschleppt. Beim Tore wird er wie üblich ausgefragt, aber er gibt keine Antwort. Man versucht, ihn mit einer glühenden Gabel zum Sprechen zu bringen, doch er schweigt.
»Nehmt ihn so!«
Man weiß doch auch so, wer er ist: man hatte ihn ja erwartet! Und man nimmt ihn »so« und führt ihn zu einem Kessel, der für ihn gerade heiß gemacht wird: sobald das Pech zu sieden anfängt, wird man ihn hineinwerfen. Doch der Vorbeter setzt sich plötzlich den Daumen an die Gurgel und beginnt den Kaddisch aus der Neïlo …