Er singt, und seine Stimme klingt immer mächtiger und noch süßer, noch herzergreifender als je … Und in den Kesseln, aus denen bisher ein Winseln und Jammern drang, wird es plötzlich still. Dann fallen Stimmen ins Gebet ein, verbrühte Köpfe heben die Deckel von den Kesseln, und versengte Lippen singen mit …
Die Teufel, die bei den Kesseln stehen, beten nicht mit: sie sind vor Schreck wie gelähmt. Sie stehen – der eine mit einer Tracht Brennholz zum Nachlegen, der andre mit einem Schürhaken, der dritte mit einer eisernen Gabel in der Hand, mit aufgerissenen Mäulern, ausgestreckten Zungen, runden Augen und verzerrten Gesichtern und rühren sich nicht; andre sind vor Schreck umgefallen … Während der Vorbeter in der Neïlo fortfährt, geht das Feuer unter den Kesseln allmählich aus, und die Toten kommen einer nach dem andern heraus.
Er singt, und die ganze Gemeinde betet voller Inbrunst mit; und während sie beten, verheilen die Brandwunden und überziehen sich mit neuer Haut, verbrannte Glieder wachsen nach, und alle Leiber sind wie geläutert …
Und wie der Vorbeter zur Stelle kommt: »Gesegnet seiest du, Herr, der du die Toten lebendig machst!« – werden alle Toten wirklich lebendig, nehmen die Gestalt an, die sie vorher hatten, und rufen wie ein Mensch »Amen!« Und bei der Stelle: »Sein großer Name werde gepriesen in alle Ewigkeit!…« klingt es so laut, daß alle Himmel sich auftun und das Bußgebet der Sünder bis in den siebenten Himmel hinaufsteigt, bis zum Throne der Göttlichen Majestät. Und es ist gerade eine Stunde der Gnade, und alle Sünder, die nicht mehr Sünder sind, bekommen plötzlich Flügel und fliegen empor und finden die Tore des Paradieses weit geöffnet.
In der Hölle zurückgeblieben sind nur die vor Schreck erstarrten Teufel und der Vorbeter selbst. Wie bei Lebzeiten hatte er durch seine Stimme alle Herzen erweicht und zur Buße bekehrt, doch selbst nicht ordentlich Buße getan. Zudem war er ja auch ein Selbstmörder!
Mit der Zeit hat sich die Hölle wieder gefüllt … Ich hörte sogar, daß man dort jetzt einen Erweiterungsbau aufführt …
Reb Jojchenen Gabaj
Müde und abgespannt von seiner Arbeit in der Gemeinde kam Reb Jojchenen der Gabaj[(17)] nach Hause. Schon in der Küche empfing ihn der Geruch von Speisen, von Fleisch und gekochten Äpfeln. Er trat schnell ins nächste Zimmer, wo ihm aber seine Frau Ssosche einen wenig freundlichen Empfang bereitete.
»Müßiggänger!« schrie sie ihm mit böser Stimme entgegen, als er sich auf der Schwelle zeigte.
»Warum schimpfst du?« fragte Reb Jojchenen, indem er sich auf eine Bank setzte, um auszuruhen.