Der Mann konnte nichts sagen als: Oh, Herr Herzich, send Ihr’s g’wä?
Er wurde fürstlich mit Speise und Trank bewirtet und dann in Gnaden zu seiner Frau entlassen, nachdem der Herzog zuvor noch ihm und seinen Nachkommen Steuerfreiheit zugesagt hatte für alle Zeiten.
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Unerschöpflichen Stoff boten ihr die schwäbischen Landpfarrer, unter denen damals noch die Sonderlinge in Menge gediehen. Einem, der ein grundgelehrter Theologe und ein stiller Weiser, dabei aber sehr unpraktisch war, wurde jede Nacht von seinen selbstgezogenen Gurken und Rettichen im Pfarrgarten gestohlen. Er fragte einen Kollegen, was er an seiner Stelle tun würde. Entweder die Diebe verklagen oder eine Falle aufstellen, meinte dieser. Der Pfarrer antwortete nach einigem Besinnen: Ich will sie lieber mit geistigen Waffen schlagen. Und er legte ein Blättchen zu den Gurken ins Beet:
Wer Rettich stiehlt und Gurken,
Den rechn’ ich zu den Schurken.
Weil seine Frau ihn jedoch erinnerte, daß die Diebstähle des Nachts stattfänden und das Blättchen somit seinen Zweck verfehlen müßte, stellte der treffliche Mann im Vertrauen auf die Macht der Dichtkunst eine Laterne dazu, die hernach den Dieben das Geschäft erleichterte.
Auch manches Stücklein altschwäbischen Aberglaubens wurde uns durch Tante Berta überliefert, die zwar selber aufgeklärt war, aber die Liebe zum Volkskundlichen bewahrte. So die schöne Geschichte von dem Mann in Dußlingen, der mehr konnte als Brot essen. Wenn irgendwo in der Nähe ein schwerer Diebstahl vorgefallen war, so wandte man sich an ihn. Dann erschien er mit seinem Rädchen im Hause des Bestohlenen und setzte das Zauberrad — es war eines von der Art, wie es die Messerschleifer mit sich führen — in Bewegung. Und wie das Rädchen lief, so mußte der Dieb laufen, bald langsamer, bald schneller. Erst war die Geschwindigkeit beträchtlich, dann hieß es: Jetzt geht’s den Berg hinauf, da wollen wir sachte tun, daß er nicht so arg schnaufen muß. So, jetzt ist er oben — nun sauste das Rädchen wieder los, und der Dieb sauste bergab, bis er im Tälchen war. — Halt, jetzt muß er über den Bach, der keinen Steg hat — das Rädchen deutete vorsichtig die Steine an, auf die er zu treten hatte, und ließ ihn dann wieder Galopp laufen. — Jetzt ist er schon in der Stadt — eben kommt er die Straße heruntergerannt — da ist er am Haus! — Man hörte draußen ein Aufschlagen und das Rädchen stand still. Nach einer kleinen Pause ging der Zauberer hinaus und brachte den außen abgeworfenen Gegenstand.