Dies Mädchen allein hat sehende Augen; sie sträubt sich, versucht sich umzuwenden, hebt ihre zarten, schönen Hände empor; ihr lebensvolles Antlitz hat den Ausdruck der Ungeduld und Entschlossenheit ... Sie möchte nicht willenlos gehorchen, nicht dahin gehen, wohin sie gestoßen wird ... und dennoch muß sie sich unterwerfen und gehen.
Necessitas – Vis – Libertas.
Wer Lust hat – mag es übersetzen.
Das Almosen
In der Nähe einer großen Stadt, auf dem breiten Fahrwege, ging ein alter, kranker Mann.
Schwankend war sein Schritt; unsicher, schleppend und stolpernd tappten seine abgemagerten Füße nur schwerfällig und matt vorwärts, als ob sie einem fremden Willen gehorchten. Sein Gewand hing in Lumpen um seinen Leib, sein bloßes Haupt fiel auf die Brust herab ... Ihn verließen die Kräfte.
Er setzte sich auf einen Stein am Wege, neigte sich vornüber, stützte sich auf die Ellenbogen, bedeckte mit beiden Händen sein Antlitz, und zwischen seinen gekrümmten Fingern hervor quollen Tränen und tropften in den trockenen grauen Staub.
Er dachte vergangener Zeiten ...
Er erinnerte sich, wie auch er einst gesund und reich gewesen – und wie er dann seine Gesundheit verlor – und seinen Reichtum an andere verschwendete, an gute und schlechte Freunde ... Und nun, nun hatte er nicht einmal ein Stückchen Brot – alle hatten ihn verlassen, die Freunde noch früher als die Feinde ... Sollte er sich nun wirklich so weit erniedrigen müssen, um Almosen zu betteln? Und Bitterkeit zog in sein Herz, und Scham. Seine Tränen aber rannen und rannen und tropften in den grauen Staub.
Mit einem Male hörte er, wie ihn jemand beim Namen rief: er richtete sein müdes Haupt empor – und erblickte vor sich einen Unbekannten.