Es war ein ernstes, würdevolles, aber nicht strenges Antlitz; die Augen nicht strahlend, aber klar; der Blick durchdringend, aber ohne Falsch.
»Du hast deinen Reichtum verschenkt,« ließ sich eine sanfte Stimme vernehmen ... »Gereut es dich nicht, wohltätig gewesen zu sein?«
»Es gereut mich nicht,« antwortete der Greis mit einem Seufzer, »wenn ich auch jetzt freilich Hungers sterbe.«
»Wenn es nun auf der Welt keine Bettler gegeben hätte, welche dir ihre Hände hinstreckten,« fuhr der Unbekannte fort, »wenn niemand der Wohltaten bedürftig gewesen wäre, hättest du dann überhaupt wohltätig sein können?«
Der Greis gab keine Antwort – und verfiel in Nachdenken.
»So sei denn auch du jetzt nicht zu stolz, armer Bettler,« hub der Unbekannte wieder an, »mach dich auf, strecke deine Hand aus, gib auch du jetzt anderen guten Menschen Gelegenheit, durch die Tat zu beweisen, daß sie gut sind.«
Der Greis fuhr auf und blickte umher ... doch der Unbekannte war schon verschwunden; – in der Ferne aber erschien auf dem Wege ein Wandrer.
Der Greis trat auf ihn zu – und streckte seine Hand aus. – Dieser Wandrer aber wandte sich mit mürrischem Blicke ab und gab ihm nichts.
Nach ihm kam aber ein zweiter – und der gab dem Greis ein kleines Almosen.
Und der Greis kaufte sich Brot für den erhaltenen Groschen – und süß schmeckte ihm der erbettelte Bissen – und keine Scham quälte mehr sein Herz – im Gegenteil: eine stille Freudigkeit war über ihn gekommen.