Die höchsten Gipfel der Alpen ... Eine ganze Kette zerklüfteter Felsenmassen ... Das Herz des Gebirgsstockes. Über den Bergen wölbt sich blaßgrün, glänzend und stumm der Himmel. Strenger, schneidender Frost; harter, flimmernder Schnee; aus dem Schnee hervor ragen rauhe Zacken vereister, verwitterter Felsblöcke. Zwei Kolosse, zwei Riesen recken sich zu beiden Seiten des Horizontes empor: Jungfrau und Finsteraarhorn. Und die Jungfrau spricht zum Nachbar: »Was gibt es Neues? Du hast freieren Ausblick. Was geht da unten vor?«
Es vergehen einige Jahrhunderte: eine Minute.
Und Finsteraarhorn donnert zur Antwort: »Dichte Wolkenmassen verhüllen die Erde ... Warte!«
Wieder vergehen Jahrtausende: eine Minute.
»Nun, und jetzt?« fragt die Jungfrau.
»Jetzt sehe ich; dort unten ist alles wie ehedem: bunt, kleinlich. Blau die Wasser; schwarz die Wälder; grau die zusammengetragenen Steinhaufen. Um sie herumwimmeln noch immer diese Käferchen, du weißt, die zweifüßigen, denen es bisher noch nie gelang, dich und mich zu beflecken.«
»Menschen?«
»Ja; Menschen.«
Jahrtausende gehen dahin: eine Minute.
»Nun, und jetzt?« fragt die Jungfrau.