Über ihr wölbte sich in durchsichtigem Blau der südliche Himmel; aus der Höhe sandte die Sonne ihre spielenden Strahlen herab; drunten, halb verborgen im Grase, murmelten flinke Bächlein.

Da erinnerte ich mich einer alten Sage von einem griechischen Schiffe, das im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt einst über das Ägäische Meer fuhr.

Es war um die Mittagsstunde ... In ruhiger Glätte lag die See. Da ertönte mit einem Male hoch über dem Haupte des Steuermanns eine vernehmliche Stimme: »Wenn du dort an der Insel vorbeisegelst, dann lasse laut den Ruf erschallen: ‘Der große Pan ist tot!’«

Der Steuermann staunte ... und erschrak. Als aber das Schiff an der Insel vorbeifuhr, da gehorchte er und rief: »Der große Pan ist tot!«

Und sofort erschollen als Antwort auf seinen Ruf längs des ganzen Ufers (obwohl die Insel unbewohnt war) schmerzliche Seufzer, Stöhnen und langgezogene Klagelaute: »Tot, tot! Der große Pan ist tot!«

Diese Sage also war mir eingefallen ... und da kam mir der sonderbare Gedanke: »Wie, wenn nun auch ich jetzt diesen Ruf erschallen ließe?«

Doch im Angesichte der rings mich umgebenden Lebenswonne widerstrebte es mir, an den Tod zu denken, und so rief ich denn mit aller Kraft: »Auferstanden, auferstanden ist der große Pan!«

Und sogleich, o Wunder! – erscholl als Antwort auf meinen Ruf längs des ganzen weiten Halbkreises grünender Berge ein fröhliches Lachen, ertönte freudiges Stimmengewirr und Händeklatschen. »Er ist auferstanden! Pan ist auferstanden!« riefen jugendliche Stimmen. – Plötzlich jubelte alles da drüben laut auf, heller als die Sonne in der Höhe und lustiger als das Spiel der Bächlein, die unterm Grase murmelten. Geräusch hurtiger, leichter Fußtritte wurde vernehmbar, durch das Waldesgrün schimmerte das marmorne Weiß wollener Gewänder und die lebensfrische Röte nackter Körper ... Nymphen waren es, Nymphen, Dryaden, Bacchantinnen, die von der Höhe ins Tal herniedereilten. Nun erschienen sie alle gleichzeitig am Waldessaum. Lockenhaar fließt um die göttlichen Häupter, edelgeformte Hände schwingen Kränze und Tamburins – und Lachen, freudiges, olympisches Lachen eilt und wogt mit ihnen heran ... Vor ihnen her schreitet eine Göttin. Sie ist größer und schöner als alle anderen, – ein Köcher hängt von den Schultern herab, in der Hand trägt sie einen Bogen, auf dem verschlungenen Lockenhaar schimmert eine silberne Mondsichel ...

Diana – bist du es?

Plötzlich aber macht die Göttin halt ... und gleichzeitig hielt die ganze ihr folgende Nymphenschar inne. Das helle Lachen erstarb. Ich sah, wie sich das Antlitz der plötzlich verstummten Göttin mit einer tödlichen Blässe bedeckte; ich sah, wie ihre Füße versteinerten, wie ihr Mund in unbeschreiblichem Entsetzen sich öffnete und ihre Augen, starr in die Ferne gerichtet, sich weit auftaten ... Was hatte sie gesehen? Wohin blickte sie?