Und über dieser Sandwüste, über diesem Meer toten Staubes erhebt sich das gigantische Haupt einer ägyptischen Sphinx.

Was wollen sie sagen, diese mächtigen, wulstigen Lippen, diese starr-geschwellten, aufgeworfenen Nüstern – und diese Augen, diese länglichen, halb träumenden, halb wachen Augen unter dem Doppelbogen der hohen Brauen?

Gewiß, sie wollen etwas sagen! Sie reden sogar – doch nur ein Ödipus vermag ihr Rätsel zu lösen und ihre stumme Sprache zu verstehen.

Ha! Nun erkenne ich diese Züge ... jetzt haben sie nichts Ägyptisches mehr. Die weiße, niedrige Stirn, die vorspringenden Backenknochen, die kurze, gerade Nase, der hübsche Mund voll weißer Zähne, der weiche Schnurrbart nebst dem krausen Kinnbärtchen – und diese weit auseinanderstehenden kleinen Augen ... dazu das Haar, wie eine Mütze den Kopf bedeckend und in der Mitte gescheitelt ... Ei, das bist du ja, Karp, Sidor, Semjon, du Bäuerlein aus Jaroslaw, aus Rjäsan, mein Landsmann, ehrliche russische Haut! Seit wann bist du denn unter die Sphinxe geraten?

Oder willst du vielleicht auch etwas sagen? Ja; du bist freilich auch – eine Sphinx.

Auch deine Augen – diese farblosen, aber tiefen Augen reden ... Und auch ihre Sprache ist stumm und rätselvoll.

Wo aber ist dein Ödipus?

O Jammer! Die Bauernmütze sich aufzustülpen, ist leider nicht ausreichend, um dein Ödipus zu werden, o du allrussische Sphinx!

Die Nymphen

Ich stand vor einer herrlichen, im Halbkreis ausgebreiteten Gebirgskette; junger grüner Wald bedeckte sie vom Kamm bis zur Sohle.