Mit genauer Not erreichte ich das Haus. – Der Wind heult und tobt wie ein Rasender, gleich zerrissenen Fetzen jagen die fahlroten, niederhängenden Wolken dahin, alles dreht sich wirbelnd, stiebt durcheinander, wie eine senkrechte Säule peitscht und stürzt wütender Platzregen herab, die Blitze blenden in grünlichem Feuer, wie Kanonenschüsse krachen die Donnerschläge in kurzen Pausen, es riecht nach Schwefel ... Aber unter dem vorspringenden Giebel, hart am Rande des Bodenfensters, sitzen dicht beisammen zwei Tauben – jene, welche nach ihrer Gefährtin ausgeflogen war – und die, welche sie heimgebracht und dadurch vielleicht gerettet hatte.

Beide haben sich dicht in ihr Flaumgefieder eingehüllt – und schmiegen sich Fittich an Fittich ...

Ihnen ist wohl! Und auch mir ist wohl, wie ich sie so betrachte ... Obgleich ich ganz allein bin ... allein wie immer.

Morgen! Morgen!

Wie leer und schal und wie nichtig ist doch fast jeder durchlebte Tag! Wie geringfügig die Spuren, die er hinterläßt! Wie gedankenlos-stumpf verrannen all die Stunden, eine nach der anderen!

Und dennoch klammert sich der Mensch ans Dasein; ihn dünkt das Leben ein Schatz, all seine Hoffnungen baut er darauf, er baut sie auf sich selbst, auf die Zukunft ... O, wieviel Glück erwartet er von der Zukunft!

Warum aber bildet er sich ein, daß die anderen, künftigen Tage dem ebenverflossenen nicht gleichen würden?

Doch das bildet er sich ja auch nicht ein. Ihm ist das Grübeln überhaupt zuwider – und er tut wohl daran.

»Ei, morgen, morgen!« – damit tröstet er sich, – so lange, bis ihn dieses Morgen ins Grab senkt.

Nun – und liegst du erst einmal im Grabe – dann hat dein Grübeln ganz von selbst ein Ende.