Ich erhob den Kopf ... Vor mir, zwischen zwei Reihen hoher Pappeln, lief der Weg schnurgerade in die Ferne. Und darüberhin, über ebendiesen Weg, etwa zehn Schritt vor mir, von der hellen Sommersonne goldig umstrahlt, hüpfte im Gänsemarsch eine ganze Spatzenfamilie, so recht keck, vergnügt und unbesorgt!

Besonders einer von der Schar plumpste mit so verwegenen Quersprüngen einher, blähte sein Kröpfchen und zwitscherte so frech, gerade als schere er sich um keinen Teufel! Ein Held – Zoll für Zoll!

Und unterdessen kreiste hoch am Himmel ein Habicht, der vielleicht gerade die Bestimmung hatte, diesen Helden aufzufressen.

Ich sah mir das an, schüttelte mich vor Lachen – und augenblicklich waren die trüben Gedanken verflogen: ich fühlte wieder Mut, Widerstandskraft und Lebenslust.

Mag doch auch über meinem Haupte ein Habicht kreisen ...

– Noch wollen wir kämpfen, Teufel auch!

Das Gebet

Um was der Mensch auch immer beten mag – er betet um ein Wunder. Jedes Gebet läuft schließlich darauf hinaus: »Großer Gott, gib, daß zwei mal zwei – nicht vier sei.«

Nur ein solches Gebet ist das wahre Gebet von Angesicht zu Angesicht. Zu einem Weltgeist, zum höchsten Wesen, zum Kantschen, Hegelschen abstrakten, wesenlosen Gotte beten – ist unmöglich und undenkbar. Aber kann denn ein persönlicher, lebendiger, leibhaftiger Gott auch wirklich machen, daß zwei mal zwei – nicht vier sei?

Jeder Gläubige ist verpflichtet zu antworten: »Ja, er kann es« – und ist verpflichtet, in sich selber diese Überzeugung zu festigen.