Der Mönch

Ich kannte einen Mönch, einen Einsiedler, einen Heiligen. Er lebte nur in der Wonne des Gebets – und in diesem seligen Rausche stand er so lange auf den kalten Steinfliesen der Kirche, bis ihm seine Füße unterhalb der Knie anschwollen und wie zu Säulen erstarrten. Er fühlte sie nicht mehr, stand da – und betete.

Ich verstand ihn – vielleicht beneidete ich ihn auch – aber auch er soll mich verstehen und mich nicht verurteilen – mich, dem seine Freuden unzugänglich sind.

Ihm ist es gelungen, sich selbst, sein verhaßtes Ich zu vernichten; doch wenn ich auch nicht zu beten vermag, so ists doch nicht Eigenliebe, die mich davon abhält.

Mein Ich ist mir vielleicht noch beschwerlicher und verhaßter, als ihm – das seine.

Er fand ein Mittel, sich selbst vergessen zu können ... aber auch ich finde ein solches, wenn auch kein dauerndes. Er lügt nicht ... aber auch ich lüge ja nicht.

Noch wollen wir kämpfen!

Welch geringfügige Kleinigkeit vermag doch zuweilen einen Menschen völlig umzustimmen!

Tief in Gedanken verloren ging ich einst auf der Landstraße.

Drückende Ahnungen lasteten auf meiner Brust; Mutlosigkeit hatte sich meiner bemächtigt.