»Ich kam, um dir meinen kleinen Schlingel zu zeigen, er war es müde, seinen Onkel nicht zu sehen. Warum hat sie ihn fortgenommen? Aber was hast du denn? Ist etwas zwischen euch vorgefallen?«
»Bruder!« sagte Paul Petrowitsch in feierlichem Ton.
Kirsanoff zitterte. Er empfand ein Gefühl von Furcht, worüber er sich nicht Rechenschaft zu geben vermochte.
»Bruder!« wiederholte Paul, »versprich mir, die Bitte zu erfüllen, die ich an dich richten werde!«
»Was willst du, Paul?«
»Etwas sehr Wichtiges; dein ganzes Lebensglück hängt davon ab. Ich habe seit einiger Zeit oft über das nachgedacht, was ich dir zu sagen im Begriff bin … Bruder, erfülle deine Pflicht, die Pflicht des Ehrenmannes, mach dem unordentlichen, anstößigen Verhältnis, in dem du lebst, ein Ende, du, der beste der Männer!«
»Was soll das heißen, Paul?«
»Heirate Fenitschka … Sie liebt dich, sie ist die Mutter deines Sohnes.« Kirsanoff fuhr einen Schritt zurück und schlug die Hände zusammen.
»Du gibst mir diesen Rat, Paul! Du, den ich für den unversöhnlichsten Feind solcher Heiraten ansah! Du gibst mir diesen Rat! Aber wenn ich bis jetzt nicht erfüllt habe, was du mit Recht die heiligste der Pflichten nennst, so geschah es einzig mit Rücksicht auf dich!«
»Ich bedaure, daß du die Rücksicht auf mich so weit getrieben hast,« antwortete Paul mit traurigem Lächeln. – »Ich fange an zu glauben, daß Bazaroff recht hatte, mich einen Aristokraten zu heißen. Ja, mein lieber Bruder, es ist Zeit, daß wir aufhören, immer nur im Hinblick auf die Welt zu handeln; wir sind schon alt, und das Leben hat uns bescheiden gemacht; laß uns all den eiteln Firlefanz beiseitewerfen. Laß uns, wie du ganz richtig gesagt, unsere Pflicht erfüllen, und es ist höchst wahrscheinlich, daß wir das Glück noch obendrein in den Kauf bekommen.«