Kaum hatte er Bazaroff erblickt, als er sich beruhigte, obgleich einem geübteren Auge ohne Zweifel der Ausdruck innerer Aufregung in den immer energischen, aber etwas abgemagerten Zügen seines Freundes nicht entgangen wäre. Er saß auf dem Fenstersims, den staubbedeckten Mantel um die Schultern und die Mütze auf dem Kopfe; er rührte sich nicht, sogar als sich ihm Arkad um den Hals warf und einen Freudenschrei ausstieß.

»Das ist einmal eine Überraschung! durch welchen Zufall?« wiederholte dieser, im Zimmer auf und ab gehend wie einer, der sich einbildet, entzückt zu sein, und es zu verstehen geben will. – »Wie stehts zu Hause? hoffentlich befinden sich alle wohl und ist alles in Ordnung?«

»In Ordnung ist alles, aber nicht alle befinden sich wohl,« antwortete Bazaroff. »Nun sei nur ruhig, laß mir ein Glas Kwaß bringen, setz dich und höre, was ich dir in wenig Worten, aber hoffentlich hinreichend klar und deutlich sagen werde.«

Arkad wurde ruhig, und Bazaroff erzählte ihm sein Duell mit Paul Petrowitsch. Arkad war sehr erstaunt, sogar ergriffen davon, hielt aber nicht für nötig, das kundzugeben. Er fragte bloß, ob die Wunde seines Onkels wirklich ungefährlich sei, und als Bazaroff ihm antwortete, sie sei sehr interessant, aber durchaus nicht vom medizinischen Gesichtspunkte aus, zwang er sich zu einem Lächeln, empfand jedoch in seinem Innersten etwas wie Scham und Schrecken. Bazaroff schien sehr wohl zu verstehen, was in seinem Freunde vorging.

»Ja ja,« sagte er, »so ists, wenn man unter einem adeligen Dache lebt, man nimmt selber die Gewohnheiten des Mittelalters an, man wird ein Raufbold. Ich will jetzt die Alten wieder besuchen, habe aber unterwegs angehalten … um dir die ganze Geschichte zu beichten, könnte ich sagen, wenn ich nicht eine unnütze Lüge für eine Dummheit hielte. Nein, ich bin hierhergekommen, der Teufel weiß, warum! Siehst du! es ist manchmal gut, sich beim Schopf zu fassen und sich rauszureißen, wie eine Rübe aus der Rabatte, und das ists, was ich jetzt getan habe … Es hat mich aber die Lust angewandelt, zum letztenmal die Stelle zu sehen, die ich verließ, die Rabatte, in der ich Wurzel geschlagen hatte.«

»Ich hoffe, daß diese Worte nicht mir gelten,« sagte Arkad in bewegtem Ton; »ich hoffe nicht, daß du beabsichtigst, dich von mir zu trennen?«

Bazaroff sah ihn fest und durchdringend an.

»Du, sollte dir das wahrhaftig Kummer machen? Mir scheint, daß du dich bereits von mir getrennt hast. Du bist so frisch, so sauber … Ich vermute, deine Sachen mit Frau Odinzoff gehn wunderschön.«

»Welche Sachen meinst du?«

»Hast du nicht um ihretwegen die Stadt verlassen, mein Vögelchen? Apropos, wie stehts mit den Sonntagsschulen dort? Bist du etwa nicht verliebt, oder bist du schon in der Periode der Ehrbarkeit angelangt?«