Der Roman war für die Zeit aus der Zeit geschrieben, enthielt alle Anschauungen, Theorien und Gefühle der Zeit; Turgenjeff, der sich hatte kritisch gegen die neue Generation stellen wollen, versichert glaubhaft, daß er während der Arbeit selbst für sie warm geworden ist. Und jene Zeit damals hatte noch dazu die Illusion, daß sie absolut richtige, unwiderlegliche Theorien gebaut habe, nach denen von nun an alle Menschen leben müßten. Und heute hat das alles gar nichts mehr zu bedeuten.
Was heute den Roman noch – oder erst – anziehend macht, das ist der zeitlose dichterische Gehalt: die reizend naive Jugendlichkeit des Helden, das Idyll seiner Eltern, das liebenswürdige alte Brüderpaar und die schön empfundene, so tief geliebte Landschaft des Dichters.
Turgenjeff begleitete den ersten Druck der vorliegenden Übersetzung (1869) mit folgendem Vorwort:
Statt jeder Vorrede erlaube ich mir dem geneigten Leser zur Kenntnis zu bringen, daß ich die vollkommene Treue vorliegender Übersetzung aufs nachdrücklichste garantiere. – Das ist eine Genugtuung, die mir noch selten oder auch wohl gar nicht zuteil geworden ist. – So wird man wenigstens nach dem gerichtet, gelobt oder verdammt, was man eben getan hat, nach seinen eigenen, nicht nach fremden Worten.
Daß mir ein solches Verhältnis gerade dem deutschen Publikum gegenüber doppelt erwünscht ist, brauche ich nicht zu sagen. Ich verdanke Deutschland zu viel, um es nicht als mein zweites Vaterland zu lieben und zu verehren. – Vor dem aber, was man liebt und verehrt, ist der Wunsch: in seiner eigenen Gestalt auftreten zu dürfen, wohl natürlich.
Fußnoten
[1] Ein Bodenmaß.