Ich erhob mich, schwankte wie trunken, fuhr mir einige Male mit der Hand über das Gesicht und sah mich aufmerksam um. Ich befand mich an der Landstraße, etwa zwei Werst von meinem Gute entfernt. Die Sonne war schon aufgegangen, als ich mein Haus erreichte.


Alle folgenden Nächte wartete ich – und ich muß gestehen, nicht ohne Furcht – auf das Erscheinen meiner Vision; sie kam jedoch nicht wieder. Einmal begab ich mich sogar in der Dämmerung zur alten Eiche, doch auch dort ereignete sich nichts Ungewöhnliches. Übrigens beklagte ich den Abbruch dieser wundersamen Beziehungen nicht allzu sehr. Ich habe viel und lange über diesen unbegreiflichen, ich möchte beinahe sagen, – albernen Fall nachgedacht und bin zur Überzeugung gekommen, daß er sich nicht nur wissenschaftlich nicht erklären läßt, sondern daß auch in Märchen und Sagen nichts Ähnliches vorkommt. Was war in der Tat diese Ellis? Ein Gespenst, eine umherirrende Seele, ein böser Geist, eine Sylphide, vielleicht gar ein Vampyr? Zuweilen schien es mir wiederum, daß Ellis eine Frau sei, welche ich einst gekannt habe, und ich strengte mich entsetzlich an, um mich zu besinnen, wo ich sie früher gesehen ... Halt, halt, – sagte ich mir manchmal, – da hab ich's, gleich wird's mir einfallen ... Gefehlt! Alles zerrann wieder wie ein Traum. Ja, ich überlegte mir viel hin und her und brachte, wie es fast immer der Fall ist, doch nichts heraus. Andere Leute um Rat oder Meinung zu befragen, – konnte ich mich nicht entschließen. Ich fürchtete, daß sie mich für verrückt halten würden. Schließlich gab ich alle meine Bemühungen auf; offen gestanden hatte ich ganz andere Dinge im Kopf. Einerseits war die Abschaffung der Leibeigenschaft mit der Verteilung der Ländereien dazwischengekommen, und andererseits war auch meine Gesundheit ziemlich zerrüttet: ich litt an Brustschmerzen, Schlaflosigkeit, Husten. Der ganze Körper war mir wie ausgetrocknet, mein Gesicht war gelb wie bei einer Leiche. Der Arzt versichert, daß ich zu wenig Blut habe; er nennt meine Krankheit mit dem griechischen Namen »Anaemie« und schickt mich nach Gastein. Der Verwalter schwört aber, er könne ohne mich mit den Bauern nicht fertig werden ...

Und so muß ich allein mit allem fertig werden!

Doch was bedeuten jene durchdringend-reinen und schrillen Töne, den Tönen einer Ziehharmonika ähnlich, die in meinen Ohren erklingen, so oft in meiner Gegenwart von irgend einem Todesfalle die Rede ist? Sie werden immer lauter, immer durchdringender ... Und warum muß ich immer beim bloßen Gedanken an das Nichts, an die Auflösung so qualvoll zusammenfahren?

Der Hund

»Wenn man die Möglichkeit des Übernatürlichen, die Möglichkeit seines Hineinspielens in das wirkliche Leben zugeben soll, – so gestatten Sie die Frage, welche Rolle soll dann noch der gesunde Menschenverstand spielen?« verkündete Anton Stepanowitsch und kreuzte seine Hände über dem Magen.

Anton Stepanowitsch hatte den Rang eines Staatsrates, war an irgendeinem sonderbaren Departement angestellt, redete langsam, gemessen und im Baß und erfreute sich allgemeiner Hochachtung. Erst kurz vorher hatte man ihm, wie seine Neider sagten, den Stanislausorden angehängt.

»Sie haben vollkommen recht,« bemerkte Skworewitsch.

»Darüber wird auch niemand streiten,« fügte Kinarewitsch hinzu.