Der Jesuit Girard hatte als Rektor des Seminars und Schiffsprediger in Toulon auch eine heimliche Bussanstalt für Frauen eingerichtet, in welche die schöne und fromme Katharina Cadière, Tochter eines reichen Kaufmanns, eintrat. Es gelang Girard, durch die Anwendung der raffiniertesten sexuellen Mystik das unschuldige Mädchen zu verführen und dessen Träume und Visionen für seine lüsternen Zwecke auszunutzen. Wollüstige Rutenschläge, oscula ad nates und die fürchterlichste geistige Unzucht führten bald zu schwerer Hysterie des armen Mädchens, in deren Verlaufe Girard dasselbe schwängerte, aber sofort nach jesuitischer Moral durch ein wirksames Abtreibungsmittel die Folgen zu verhindern wusste. Endlich wurde gegen ihn der Prozess eröffnet, in dem er aber zur allgemeinen Entrüstung freigesprochen wurde.

Dies Urteil veranlasste Voltaire zu dem sarkastischen Ausspruche:

Le P. Girard, rempli de flamme,

D’une fille a fait une femme;

Mais le parlement, plus habile,

D’une femme a fait une fille.

Derselbe Dichter schrieb unter ein Bild, das Girard und die Cadière darstellte, die Verse:

Cette belle voit Dieu, Girard voit cette belle:

Ah, Girard est plus heureux qu’elle.

7. Die schwarze Messe.